KI als Wegweiser durch den Dschungel sozialer Angebote
Künstliche Intelligenz hat nicht gerade den Ruf, ein besonders warmherziger Zeitgenosse zu sein. Und nicht zuletzt löst sie bei vielen auch ein mulmiges Gefühl aus. Was wird uns die Technologie in der Zukunft bringen? Und was passiert mit dem, was uns Menschen ausmacht? Doch richtig eingesetzt, kann KI dort helfen, wo wir heute an Grenzen stoßen und zwar indem sie Wissen zugänglicher macht, Zusammenhänge in Windeseile erkennt und mehr Raum für das schafft, was keine Maschine ersetzen kann: menschliche Nähe, Empathie und persönliche Unterstützung. Genau hier setzt das Forschungsprojekt KIDaS an, das von der FAU koordiniert wird. Die Idee dahinter verfolgt ein sehr humanes Ziel: Menschen sollen schneller die Hilfe bekommen, die wirklich zu ihrer Lebenssituation passt.

Soziale Unterstützung gibt es in Deutschland an vielen Orten, von der Pflegeberatung und Familienhilfe über Angebote gegen Einsamkeit bis hin zu Rat bei Schulden oder Suchterkrankungen. Das Problem: Oft ist diese Hilfe schwer zu finden. Angebote sind verstreut, Zuständigkeiten unübersichtlich und freie Plätze oder passende Anlaufstellen nicht immer bekannt. Für Menschen, die ohnehin gerade vor großen Herausforderungen stehen, kann die Suche nach Unterstützung selbst zu einer zusätzlichen Belastung werden.
Genau hier kommt KIDaS ins Spiel. Das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt mit mehr als 1,9 Millionen Euro geförderte Projekt entwickelt eine KI-gestützte Datenplattform, die soziale Angebote besser sichtbar und miteinander verknüpfbar machen soll. Koordiniert wird das Verbundprojekt von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Im Mittelpunkt steht eine digitale Plattform, die Wohlfahrtsverbände, Beratungsstellen, soziale Einrichtungen und Hilfesuchende stärker miteinander verbindet. Vereinfacht gesagt: KIDaS soll dabei helfen, Licht ins Dunkel der Angebote zu bringen. Welche Unterstützung gibt es in der Nähe? Welche Einrichtung hat freie Kapazitäten? Welches Angebot passt zur individuellen Situation? Fragen, die heute oft mit viel Rechercheaufwand beantwortet werden müssen, könnten künftig schneller und gezielter gelöst werden.
Künstliche Intelligenz ist ein As darin, Zusammenhänge zu erkennen: große Mengen an Informationen durchsuchen, Muster erkennen, Daten miteinander verbinden und Hinweise liefern, die sonst leicht übersehen werden. Mit dieser Fleißaufgabe bereitet die Technologie Informationen vor, die echte Fachkräfte anschließend prüfen und freigeben.

Sozialarbeitende haben so mehr Zeit für Gespräche, Beratung und persönliche Unterstützung. „Wir wollen mit KIDaS dazu beitragen, dass soziale Hilfe schneller dort ankommt, wo sie gebraucht wird“, sagt Prof. Dr. Martin Matzner vom FAU-Lehrstuhl für Digital Industrial Service Systems, der das Projekt leitet und koordiniert. Der gesellschaftliche Nutzen der Digitalisierung liegt seiner Ansicht nach genau darin: Technik soll Menschen unterstützen und nicht ersetzen. Und das mit dem Unterstützen soll natürlich möglichst bald geschehen. Angedacht ist, dass erste Tests mit ausgewählten Praxispartnern bereits Mitte des nächsten Jahres starten.
Besonders spannend ist ein weiterer Baustein des Projekts: das sogenannte „Service-Sonar“. Dabei soll die Plattform öffentlich zugängliche Informationen analysieren, beispielsweise aus Selbsthilfeforen oder sozialen Medien. So könnten neue Entwicklungen und Unterstützungsbedarfe früher sichtbar werden. Was wiederum Kommunen und Sozialeinrichtungen dabei hilft, schneller zu reagieren.

Menschlichkeit entsteht eben nicht dadurch, dass Menschen möglichst viel Zeit mit Verwaltungsaufgaben verbringen. Sie entsteht dort, wo jemand zuhört, Verständnis zeigt und Lösungen sucht. Wenn KI dabei hilft, Informationen besser zu ordnen, Wege zu verkürzen und Fachkräfte zu entlasten, kann sie einen wichtigen Beitrag leisten: Sie schafft mehr Raum für Begegnungen und ist ein intelligentes Werkzeug dafür, dass Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird: beim Menschen.
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