Mut zur Pause – 7 Auszeitmöglichkeiten für die Orientierungsphase

von | 28. August 2026 | Eltern werden, Eltern sein, Freizeit!!!

Nicht jeder weiß nach der Schule sofort, wie es weitergehen soll. Ausbildung? Studium? Oder doch erst mal ein bisschen Abstand? Und manchmal kommt der Wunsch nach Orientierung auch viel später – nach einigen Jahren im Beruf, nach einer Familienphase oder beim Übergang in den Ruhestand. Eine Auszeit muss dabei aber nicht gleich bedeuten, die Zeit einfach verstreichen zu lassen. Stattdessen kann man reisen, Schildkröten hüten, Finnisch oder Albanisch lernen, sich engagieren für etwas, das einem am Herzen liegt oder auch einfach mal nach vielen Jahren am Schreibtisch kreativ mit den Händen arbeiten. Letztendlich geht es darum, sich auszuprobieren und nicht selten stellt man dabei fest, dass man beim eigenen Weg am Ende vielleicht an einer Stelle abbiegt, die man vorher gar nicht in Betracht gezogen hat.

 

1. Bufdi: Engagement statt Leerlauf – lebenslang möglich


Der Bundesfreiwilligendienst, kurz Bufdi, ist eine der unkompliziertesten Möglichkeiten, eine Orientierungsphase sinnvoll zu nutzen. Einen bestimmten Schulabschluss braucht man nicht, Voraussetzung ist lediglich, dass die Vollzeitschulpflicht erfüllt ist. Eine Altersgrenze nach oben gibt es hier auch nicht und die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig: in Kindergärten, Seniorenheimen und Krankenhäusern ebenso wie in Kultur, Sport, Denkmalpflege, Umwelt- und Naturschutz oder im Zivil- und Katastrophenschutz. Bezahlt wird ein Taschengeld, zusätzlich können Unterkunft oder Verpflegung dazukommen. Der Dienst dauert in der Regel zwölf Monate, mindestens sind sechs Monate möglich, auch Teilzeit ist machbar. Die integrierten Bildungsphasen bieten Gelegenheit dazu, Erfahrungen zu reflektieren und sich mit wichtigen gesellschaftlichen Themen auseinanderzusetzen.

 

 

Weitere Informationen: https://www.bundesfreiwilligendienst.de/

 

 

2. FSJ, FÖJ und Freiwilligendienst im Ausland


Für Jüngere gibt es mit dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und dem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) eine interessante und relativ sichere Möglichkeit der Auszeit für alle von 15. bis zum 27. Geburtstag – unabhängig vom Schulabschluss. Wer unter 18 Jahre alt ist, benötigt aber das Einverständnis der Erziehungsberechtigten und die Vollzeitschulpflicht muss erfüllt sein. Beim FSJ steht der soziale Bereich im Mittelpunkt, beim FÖJ sind es Natur, Umwelt und Nachhaltigkeit. Für alle, die über die Grenzen hinauswollen, bietet das Europäische Solidaritätskorps (ESK) jungen Menschen zwischen 18 und 30 Jahren geförderte Freiwilligentätigkeiten in Europa. Im Rahmen des EU-Programms kann man mindestens für zwei und längstens für zwölf Monate an Projekten in Bildung, Kultur, Umwelt oder Soziales mitarbeiten. Neben der freiwilligen Tätigkeit, bei der unter anderem Unterkunft und Verpflegung gestellt werden, gibt es auch Praktika, Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Für internationale Einsätze kommt außerdem der Internationale Jugendfreiwilligendienst (IJFD) infrage. Je nach Programm kann man auch hier mehrere Monate in einem sozialen, ökologischen oder kulturellen Projekt verbringen, darf aber nicht älter als 26 Jahre bei Dienstbeginn sein. Die Angebote reichen von Anbau und Ernte von Seetang auf einer Insel vor Japan bis hin zu Zirkusprojekten.

Weitere Informationen:

FSJ: https://www.arbeitsagentur.de/bildung/uebergangszeit/freiwilliges-soziales-jahr

FÖJ: https://www.arbeitsagentur.de/bildung/uebergangszeit/freiwilliges-oekologisches-jahr

ESK: https://youth.europa.eu/solidarity_de

IJFD: https://www.ijfd-info.de/startseite/

 

3. Sprachreise: Die kleine Mutprobe


Wer vor allem einfach mal raus möchte und trotzdem keine Zeit verlieren möchte, kann Lernen und Reisen verbinden. Sprachreisen reichen von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten und führen je nach Angebot in eine Gastfamilie, eine Wohngemeinschaft oder eine Unterkunft der Sprachschule. Und natürlich kann man sich auch selbst was suchen und organisieren, ganz nach dem eigenen Geschmack. Eine Woche – oder gleich ein Jahr, mit oder ohne Programm? Das ist unter anderem auch eine Frage des Geldes. Umso mehr lohnt sich ein genauer Vergleich der Anbieter. Bayern hat allerdings nach wie vor kein Bildungsfreistellungsgesetz und plant derzeit auch keine Einführung. Damit ist es ab 2027 das letzte Bundesland, bei dem Bildungsurlaub lediglich eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers ist.

 

 

 

 

4. Au-pair: Familienmitglied auf Zeit


Au-pair ist die wohl bekannteste, aber heute nicht mehr so oft genutzte Möglichkeit, für eine Weile ins Ausland zu gehen und sich das auch leisten zu können. Denn hier lebt man bei einer Gastfamilie, kümmert sich um die Kinder und übernimmt leichte Aufgaben im Haushalt. Dafür gibt es Unterkunft, Verpflegung und ein Taschengeld. Ein Sprachkurs gehört je nach Programm ebenfalls dazu. Auch, wenn es viel Verantwortung ist: Sprache und Kultur lernt man auf diese Weise sehr schnell kennen. Allerdings gelten hier für Visa und Vermittlung oft strenge Altersgrenzen, je nach gewünschtem Land.
Übrigens: Es gibt auch Agenturen, die Grannys vermitteln und vor allem lebenserfahrenen Frauen damit die Möglichkeit geben, im Ausland ihre Erfahrungen weiterzugeben und neue zu sammeln.

Weitere Informationen:

https://www.arbeitsagentur.de/unternehmen/arbeitskraefte/au-pair

 

 

5. Auslandspraktikum: Berufserfahrung mit Tapetenwechsel
Auch während einer Ausbildung kann man ins Ausland gehen. Über Erasmus+ zum Beispiel können Auszubildende und Berufsschüler Praktika in europäischen Ländern absolvieren. Dabei lernt man nicht nur einen anderen Betrieb kennen, sondern oft auch eine völlig andere Arbeitskultur. Die Organisation kann über den Ausbildungsbetrieb, die Berufsschule oder entsprechende Programme laufen. Gerade wer grundsätzlich mit seinem Beruf zufrieden ist, aber einmal etwas anderes sehen möchte, bekommt so Auslandserfahrung, ohne gleich den bisherigen Weg aufzugeben. Manche Firmen haben auch Niederlassungen in anderen Ländern und bieten ihren Mitarbeitern an, dort für eine Weile zu arbeiten.

Weitere Informationen:

Erasmus +: https://www.erasmusplus.de/

 

6. Work & Travel: Einfach los?


Work & Travel ist auf der einen Seite die entspannteste Variante, weil man einfach drauflos reist und sich einen Job sucht, wenn man Geld braucht. Auf der anderen Seite fällt aber auch die Sicherheit einer vermittelnden Stelle weg. Gelegenheitsjobs findet man weltweit, vor allem in der Landwirtschaft oder in der Gastronomie. Man kann Mangos in Australien pflücken, als Pistenpräparierer in Kanada arbeiten oder als Crewmitglied auf einer Yacht mitsegeln, braucht aber ein entsprechendes Visum. Und Abenteuerlust, denn was man arbeitet, wo man wohnt und wie es weitergeht, das entscheidet sich oft erst sehr kurzfristig unterwegs.

 

 

 

7. Auszeit und Neuorientierung gleich um die Ecke

Nicht für jede Auszeit muss man gleich um die Welt reisen. Die Werkbund Werkstatt Nürnberg bietet mit ihrem Werkstattjahr bzw. dem Werkstattsemester eine besondere Möglichkeit, sich nach der Schule, in einem Sabbatjahr oder in einer beruflichen Neuorientierungsphase einfach mal auszuprobieren. In den Werkstätten für Holz, Glas, Metall und Textil sowie in der Gestaltung lernt man praktische und kreative Grundlagen kennen, versucht sich an verschiedenen Materialien und schafft etwas mit den Händen. Das neunmonatige Werkstattjahr verbindet dabei Bildung und Berufsorientierung und nicht selten erkennen die Teilnehmer währenddessen ihre eigentlichen Talente und beginnen im Anschluss eine handwerkliche Ausbildung.

Weitere Informationen:

Werkbund Werkstatt Nürnberg:

https://werkbund-werkstatt.de/

 

Was man bei all dem aber nicht vergessen darf: Wer sich entscheidet, vom vermeintlich vorbestimmten geraden Weg abzuweichen, macht neue, andere Erfahrungen und das verändert einen Menschen. Gerade bei Auslandsaufenthalten ist der, der zurückkommt, nicht mehr derselbe, der gegangen ist. Das trifft umso mehr zu, je jünger man ist. Deswegen sollte man sich bewusst machen, dass eine Zeit im Ausland auch eine Zeit des Loslassens ist. Für beide Seiten.

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