Wunschgroßeltern: Eine wertvolle Brücke zwischen den Generationen
Der Verein „Großeltern stiften Zukunft e. V.“ vermittelt sogenannte Wunschgroßeltern an Familien, in denen eigene Großeltern fehlen oder im Alltag aus verschiedenen Gründen nur wenig präsent sein können. Im Mittelpunkt steht dabei die Idee, Generationen miteinander zu verbinden und Kindern verlässliche Bezugspersonen außerhalb der Kernfamilie zu schenken. Und das Konzept stimmt, denn in einer Zeit, in der Familien häufig räumlich getrennt leben und klassische Großfamilienstrukturen seltener werden, wächst der Bedarf stetig. Das zeigt sich auch deutlich im Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Auf etwa 20 anfragende Wunschfamilien kommt im Schnitt nur eine verfügbare Wunschgroßeltern-Partnerschaft. Astrid und Gerhardt Berndt, beide über 70, haben sich dieser Aufgabe inzwischen zum zweiten Mal gewidmet. Eva und Lea, sechs und acht Jahre alt, bereichern ihren Alltag und halten sie jung.
Warum sind Großeltern so wichtig?

Großeltern geben den Kindern etwas, was im Familienalltag oft zu kurz kommt: Zeit. Das ist das Allerwichtigste. Wenn die Kinder bei uns sind, gehört unsere Aufmerksamkeit ganz ihnen. Unter der Woche sind sie lange in Schule und Hort, deshalb holen wir sie dienstagnachmittags ab und dann sind wir einfach komplett für sie da. Und gleichzeitig bekommen wir auch viel zurück. Es macht große Freude, ihnen zuzuschauen, mit welchem Eifer und welcher Begeisterung sie bei allem dabei sind, was wir gemeinsam unternehmen.
Was unternehmen Sie denn so zusammen?

Wir basteln, pflanzen etwas im Garten an, wir lesen, malen und spielen. Sie erleben bei uns älteren Menschen eine ganz andere Art zu leben, schon allein deswegen, weil die Kräfte nicht mehr die gleichen sind. Mit Mama und Papa geht man zum Schlittschuhlaufen oder auf große Ausflüge. Wir gehen spazieren, in den Wald oder auf den „Flughafenberg“. Und natürlich haben wir auch eine andere Sicht auf viele Ding, weil wir ganz anders aufgewachsen sind. Das versuchen wir weiterzugeben – unsere Werte zu vermitteln, ohne dass sie im Widerspruch zu denen der Eltern stehen.
Was hat Sie dazu bewegt, Wunschgroßeltern zu werden?
Die Tatsache, dass wir zu diesem Zeitpunkt keine eigenen Enkel hatten, war für uns ausschlaggebend. Wir lieben Kinder sehr und fühlen uns wohl, wenn viele Kinder um uns herum sind. Vor zehn oder zwölf Jahren haben wir schon öfter Anzeigen gesehen: „Wunschgroßeltern gesucht“. Damals fühlten wir uns aber noch zu jung, wir waren viel auf Reisen. Aber irgendwann kam der Punkt, an dem wir entschieden haben, uns das einfach mal anzusehen.
Wie finden Wunschgroßeltern und Familien zusammen?
Am Anfang stehen Gespräche: Passt man zusammen? Haben die Eltern ein gutes Gefühl, und fühlen sich auch die Kinder wohl? Denn letztlich sind sie es, die sich ihre Wunschgroßeltern aussuchen. Bei unseren ersten beiden Wunschenkelkindern lief das wie eine Art „Speeddating“ ab. Mehrere Familien und Großeltern haben sich gleichzeitig kennengelernt. Unser Wunschenkelsohn Hannes wusste damals schon nach wenigen Minuten, dass er uns behalten möchte und uns ging es ganz genauso. Von Anfang an waren wir auf einer Wellenlänge.
Damals war das aber noch anders als heute, wir haben uns vielleicht einmal im Monat getroffen. Inzwischen ist es viel intensiver und ganz selbstverständlich geworden. Es hat sich einfach entwickelt.
Sehen Sie denn die ersten beiden Wunschenkelkinder noch?
Wir haben bis heute einen sehr guten Kontakt, waren zum Beispiel auch bei beiden zur Firmung eingeladen. Aber natürlich geht es uns genauso wie anderen Großeltern auch, wenn die Kinder zu Jugendlichen heranwachsen, wird der Freundeskreis wichtiger als die Familie. Uns war aber trotzdem wichtig, mit ihnen zu sprechen, als wir überlegt haben, diese Aufgabe noch einmal zu übernehmen. Milla hat damals befürchtet, dass sie dann vielleicht nie mehr kommen darf. Aber diese Bedenken konnten wir gleich ausräumen. Und heute kommt sie manchmal sogar extra dazu, wenn die Kleinen da sind. Auch die Familien kennen sich inzwischen, wir treffen uns manchmal alle zusammen, zum Beispiel zum Grillen.
Vier Wunschenkel später: Gibt es einen Moment, der Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Solche Momente gibt es immer wieder. Wenn die Kinder sich freuen, uns zu sehen – das berührt uns jedes Mal. Und es sind eher die vielen kleinen Dinge. Der Alltag der Kinder heutzutage ist sehr durchgetaktet. Umso wichtiger ist es für uns, ihnen vor allem Ruhe zu vermitteln. Und aus dieser Ruhe heraus entsteht auch wieder eigenes Spielen und eine ganze Menge Kreativität.
Wo sehen Sie die Schwierigkeiten?

Natürlich muss man offen sein für Kinder und auch Zeit haben. Es hilft, wenn man Ideen hat, was man mit ihnen machen kann. Meine Frau sprudelt da regelrecht über, ihr fällt immer etwas ein, aber ich kann mir schon vorstellen, dass manche da an ihre Grenzen stoßen.
Für wen ist dieses Engagement geeignet und für wen eher nicht?

Man sollte wirklich Freude am Umgang mit Kindern haben und sich darauf einlassen können. Wer seine Ruhe haben möchte, für den ist es wahrscheinlich nichts. Ich finde es auch interessant, dass unser Umfeld zwar durchweg positiv reagiert, es toll findet, was wir machen. Aber es sich selbst nicht zutrauen würde oder auch gar nicht wollen würde. Dabei ist es aus unserer Sicht eine echte Win-win-Situation. Wir Rentner sind doch Zeitmillionäre und die Kinder geben uns so viel zurück.
Was ist Ihnen persönlich besonders wichtig bei diesem Projekt?
Uns ist ganz wichtig zu betonen, dass Wunschgroßeltern keine Babysitter sind. Es geht nicht darum, einfach Betreuung zu übernehmen, sondern um eine echte Beziehung, um eine Verbindung zwischen den Generationen. Damit das funktioniert, muss es für alle Seiten passen. Deshalb ist das Kennenlernen am Anfang so wichtig, mit etwas Glück entsteht dann eine Beziehung, die ganz individuell ist und mit der Zeit wächst. Dabei verstehen wir uns nie als Ersatz für die echten Großeltern und wollen uns auch nicht in eine Familie hineindrängen. Wir sehen uns eher als Ergänzung. Wenn Vertrauen entsteht und alle sich wohlfühlen, dann wird daraus etwas sehr Wertvolles und zwar für die Kinder genauso wie für uns. Meine Frau und ich haben diesen Schritt noch nie bereut und sind sehr glücklich über die vielen schönen Momente, die wir schon mit unseren Wunschenkelkindern hatten. Und freuen uns auf die vielen, die hoffentlich noch kommen werden.

Wenn Sie sich auch vorstellen könnten, Wunschoma oder Wunschopa zu werden, dann können Sie sich ganz unverbindlich an den Verein „Großeltern stiften Zukunft e.V.“ wenden:
Tel: 0911/214-2132
www.grosseltern-stiften-zukunft.de

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