Von Hexen und anderen Geschichten, die dem Fass den Boden ausschlagen – eine Führung durch die Felsenkeller Nürnbergs
Es beginnt ganz harmlos unterhalb des Dürerplatzes mit ein paar Stufen nach unten. Doch was Familien unter der Altstadt von Nürnberg erwartet, ist weit mehr als nur ein kühler Keller. Es ist eine Reise in eine Welt voller Geschichten, die mal verblüffen, mal schmunzeln lassen und an manchen Stellen auch richtig unter die Haut gehen.

Diese besondere Atmosphäre, die einen am Treppenende erwartet, lässt schnell erahnen, dass das hier nicht nur einfach Keller sind. Das Gewirr aus Gängen, das sich wie ein unterirdisches Labyrinth durch den Sandstein zieht, war einmal ein riesiges Bierlager und Bier das Getränk, das man im Mittelalter bereits Kleinkindern gab, um sie vor verschmutztem Wasser zu schützen. Was diese Führung, die es übrigens auch auf Englisch oder mit Audioguides gibt, so besonders macht, sind nicht nur die historischen Fakten, sondern es sind die Geschichten, die dahinterstecken. So wie die überraschende Verbindung zwischen dem Bierbrauen und den Hexen.
Anschaulich wird erklärt, dass das Bierbrauen über lange Zeit in weiblicher Hand lag und gerade alleinstehende Frauen sich so ihren Lebensunterhalt verdienen konnten. Das selbstgebraute Bier wurde damals auf dem Markt verkauft. Man erkannte die Bierbrauerinnen an ihren hohen spitzen Hüten und dem umgedrehten Besen, der anzeigte, dass das Getränk fertig war. Katzen sorgten dafür, dass die Mäuse das dafür notwendige Getreide in Ruhe ließen. Alleinstehende Frauen, spitze Hüte, Katzen und Besen? Das Bild, das sich einem hier aufdrängt, hat seine Berechtigung. Denn im Zuge religiöser und wirtschaftlicher Konflikte wurden genau diese Frauen zunehmend der Hexerei bezichtigt und beschuldigt, in ihren Kesseln angeblich alles Mögliche zu brauen – nur eben kein Bier.

Auf dem Weg durch einen kleinen Teil des größten unterirdischen Kellersystems Süddeutschlands, das auf mehr als 20.000 Quadratmeter Fläche ein mehrstöckiges Labyrinth aus in Sandstein gehauenen Gängen und Kellern bildet, erfährt man aber nicht etwas über die ursprüngliche Bedeutung des Hexagramms, die Herkunft des einen oder anderen Sprichworts und geheime Wasserwege, die so gut bewacht wurden, dass nicht einmal die Wächter ihren Verlauf kannten, sondern es werden auch Momente in Erinnerung gebracht, die einem eine Gänsehaut verschaffen. So wie die komplette Zerstörung der Nürnberger Innenstadt in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs, als sehr viele Menschen da unten Schutz suchten.
Es ist genau diese Mischung, die den Ausflug in die Felsengänge unter der Stadt Nürnberg so besonders macht. Wissen wird greifbar und bleibt dabei so spannend und vielschichtig, dass sowohl für Kinder als auch für Erwachsene etwas dabei ist. Und das Gespräche anstößt, die noch lange nachklingen.

Die historischen Felsengänge unter Nürnberg können nur im Rahmen einer Führung besucht werden. Die Tour ist nicht barrierefrei, auch Kinderwagen können nicht mitgenommen werden, da es tief unter die Erde geht und die Gänge teilweise sehr niedrig und eng sind. Da es dort unten konstant 8 bis 10 Grad hat, ist ein Pullover ratsam.
Treffpunkt: Bergstraße 19 bei der Hausbrauerei Altstadthof
Termin: stündlich zwischen 11 Uhr und 17 Uhr
Dauer: rund 60 Minuten
Geeignet für Kinder ab etwa 6 Jahren
Kosten: Erwachsene 13 Euro/ermäßigt 10 Euro
Es gibt auch eine spezielle Kinderführung, ebenfalls ab 6 Jahren, die immer am Sonntag um 11:30 Uhr stattfindet (in den Schulferien täglich außer samstags) und 10 Euro pro Person kostet.
Weitere Informationen gibt´s hier:
https://www.historische-felsengaenge.de/
Bildnachweis: Copyright: NKG GmbH Historische Felsengänge Nürnberg , Copyright: NKG GmbH Historische Felsengänge Nürnberg

0 Kommentare