Behindertenrat Nürnberg: „Wir wären sehr froh darüber, noch engagierte Menschen zu finden“

von | 20. September 2021 | Miteinander leben, streiten, wachsen, Sagen Sie mal…

„Ich selbst bin zum Behindertenrat in Nürnberg gekommen wie die Jungfrau zum Kind.“, berichtet mir der Vorsitzende des Behindertenrats, Peter Vogt, lachend, „Ganz spontan bin ich zu der ersten Wahlversammlung im Jahr 2010 gegangen, habe mich zur Wahl aufstellen lassen und bin seitdem mit Herzblut dabei!“

Und das merkt man auch! Peter Vogt und die weiteren 39 Mitglieder setzen sich für die Rechte der Menschen mit Behinderung in Nürnberg ein und geben ihnen eine Stimme. Von den Mitgliedern sind 26 selbst von einer Behinderung betroffen und 14 Personen von einer Einrichtung oder Institution für Menschen mit Behinderung delegiert. Das Gremium ist sowohl parteilich als auch konfessionell unabhängig. Peter Vogt ergänzt: „Wir sind einzig und allein den Menschen mit Behinderung verpflichtet.“

 

Der Behindertenrat in Nürnberg organsiert sich in sechs Ausschüssen

Im Ausschuss „Arbeit und Soziales“ geht es um die Arbeitsplätze und Verdienstmöglichkeiten des Menschen mit Einschränkung.

Die Mitglieder im Ausschuss „Barrierefreies Bauen und Wohnen“ kümmern sich um den kommunalen, sowie privaten Wohnungsbau und bringen die Anforderungen an eine barrierefreie Ausgestaltung der Gebäude ein. Auch die Frage unterschiedlicher Wohnformen ist ein wichtiges Thema dieses Ausschusses.

Im Ausschuss „Barrierefreiheit im öffentlichen Raum“ steht die barrierefreie Gestaltung des öffentlichen Raums im Vordergrund. Dabei geht es um die Barrierefreiheit bei öffentlichen Gebäuden wie Schulen, Kindertagesstätten, Ämtern, Verkehrsbetrieben etc. Ebenfalls von besonderer Bedeutung ist die Schaffung von Behindertentoiletten in ausreichender Anzahl und die Mobilität (ÖPNV) für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. „Wir haben bei unseren Aktivitäten stets die Vielfalt von Behinderungen im Blick und genau das macht es zu einer Herausforderung, denn was für einen Menschen mit einer Sehbehinderung notwendig ist, kann für eine Person mit einer Gehbehinderung ein Hindernis darstellen.“, erklärt mir Peter Vogt. Der Vorsitzende erzählt von den Projekten des Behindertenrats in Nürnberg: „Um ein Verständnis für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung im öffentlichen Raum zu schaffen, haben wir auch schon Architekten und Architektinnen u. a. in einen Rollstuhl gesetzt, damit sie selbst erleben können, dass für Rollstuhlfahrer/innen auch schon kleine Anhebungen Barrieren darstellen.“

Der vierte Ausschuss „Bildung und Kultur“ zielt auf eine gute Ausbildung für Menschen mit Behinderung ab, indem Ihnen der Schulbesuch und die Ausbildung insbesondere inhaltlich und strukturell barrierefrei zugänglich gemacht wird. Nur mit einer soliden Ausbildung ist es möglich, eine finanzielle Unabhängigkeit und eine verbesserte soziale Teilhabe zu erreichen.

Ein weiterer Ausschuss, bei dem sich alles um die Finanzen dreht, befasst sich mit rechtlichen Änderungen und den Leistungen für Menschen mit Behinderung (z. B. Bundesteilhabegesetz – BTHG).

Der sechste und letzte Ausschuss befasst sich mit dem Thema Gesundheit. „Stellen Sie sich vor, Sie sind in der Notaufnahme. Ein Patient kommt in einer Liege herein und kann sich kaum artikulieren und reagiert nicht auf Ihr Gesprochenes. Der Arzt könnte vermuten, dass er weggetreten oder verwirrt ist und dabei ist er gehörlos.“, erklärt mir Peter Vogt, „Daher bieten wir im Rahmen dieses Ausschusses ein Projekt für medizinisches Personal an, in welchem es um eine Sensibilisierung und den richtigen Umgang mit Menschen mit Behinderung geht. Ich, als blinde Person, kann mir zum Beispiel herzlich wenig darunter vorstellen, wenn mir jemand sagt ,Ich stelle das Tablett hier ab.´ Den Umgang damit muss man erst erlernen.“ Besonders begeistert berichtet mir der Vorsitzende des Behindertenrates davon, dass im Rahmen dieses Projektes in der Erler-Klinik drei Beschäftigte gefunden wurden, welche die Gebärdensprache beherrschen. Seitdem kann dort gewährleistet werden, dass immer eine Person anwesend ist, welche die Kommunikation mit gehörlosen Patienten sicherstellt.

Im Oktober 2021 findet die nächste Wahlversammlung des Behindertenrats in Nürnberg statt. „Wir wären sehr froh darüber, noch engagierte Menschen zu finden, die sich für dieses besondere Ehrenamt zur Verfügung stellen und die Möglichkeit und Zeit haben, sich in den Behindertenrat aktiv einzubringen.“, appelliert Peter Vogt. Die Registrierungsmöglichkeit zur Wahl in den Behindertenrat Nürnberg findet Ihr hier:https://www.brnwahl2021.de

Wahlberechtigt sind dabei alle Nürnberger und Nürnbergerinnen, die selbst mindestens einen GdB von 50 bzw. eine Gleichstellung vorweisen können und am Tag der Wahl das 18. Lebensjahr vollendet haben. Auch Personen von Institutionen haben auf dem o. g. Weg die Möglichkeit zu wählen und gewählt zu werden. Für die Wahl anmelden könnt Ihr Euch ab dem 01. September auf der Internetseite https://www.brnwahl2021.de.

Anfang Oktober erhaltet Ihr, nach erfolgreicher Registrierung, per Post Eure Wahlunterlagen nach Hause, um diese dann ausgefüllt am Freitag, 22. Oktober, Samstag, 23. Oktober oder Montag, 25. Oktober persönlich im Nachbarschaftshaus Gostenhof, Adam-Klein-Str. 6, 90429 Nürnberg, abzugeben.

Auf der Internetseite des Behindertenrats der Stadt Nürnberg findet Ihr Weiteres zur Wahl auch noch viele interessante Informationen rund um die Tätigkeiten dieses Gremiums:
https://www.nuernberg.de/internet/behindertenrat/

Hier findet Ihr einen Blogbeitrag, in welchem der Vorsitzende des Stadtseniorenrats in Nürnberg interviewt wurde:
https://familienblog.nuernberg.de/die-alten-die-von-armut-bedroht-sind-liegen-uns-vor-allem-am-herzen/

 

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Bildnachweis: Adam Wasilewski – adobe stock, Vogt, KOWAB