Zusammen lernen und zusammen leben

von | 7. September 2020 | Miteinander leben, streiten, wachsen, Sagen Sie mal…

Eigentlich sind Ferien – aber in den Räumen des Global Elternvereins ist ordentlich was los.
Rund 40 Kinder besuchen regelmäßig eine der 12 Kleingruppen, die in diesen Sommerferien als „Corona-Crashkurs“ angeboten werden. Sie vertiefen ihren Schulstoff und nutzen das gemeinsame Lernen und Üben, damit der Start ins nächste Schuljahr gut gelingt.

Tugce Kadan ist eine der ProjektleiterInnen beim Global Elternverein, eine engagierte junge Realschullehrerin, die selber Migrationshintergrund mitbringt – so, wie viele der Kinder, die von ihren Eltern hier angemeldet werden. Sie meint: „Es ist auf eine gewisse Weise auch etwas blöd, wenn alle Kinder in diesem Jahr in eine höhere Klasse vorrücken dürfen, obwohl sie wegen Corona große Lücken haben. Das wird im nächsten Schuljahr Probleme geben! Viele Eltern haben jetzt schon Angst vor dem Aussieben, das dann zu erwarten ist. So entstand unsere Idee, Corona-Crashkurse anzubieten.“

 

Kurzarbeit, Geldmangel, Angst vor Ansteckung – das sind alles Gründe, warum viele Eltern in diesem Sommer nicht in Urlaub fahren und nach Wegen suchen, ihre Kinder schulisch zu unterstützen. Zuschüsse der Stadt Nürnberg und mehrerer Stiftungen machten es möglich, die Corona-Crashkurse zu organisieren: Immer 3 bis 4 Kinder mit ihrem Trainer und selbstverständlich unter Berücksichtigung der Hygienemaßnahmen. Die Teilnahme ist kostenlos.
In Tugces Gruppe geht es heute um den Deutsch- Unterrichtsstoff der 5. Klasse Gymnasium: Märchen!

Beim Global-Elternverein hat man in diesem Jahr natürlich auch Erfahrung damit gesammelt, via Skype Nachhilfe zu geben und über WhatsApp miteinander zu kommunizieren:
„Aber die Schüler wollten wieder kommen und sind ganz wild darauf, Freunde wieder zu sehen!“

Während der Schulzeit gibt es bei Global Elternverein ebenfalls Nachhilfe und gemeinsame Lernangebote: Für 210 Minuten pro Woche zahlt man 90 (demnächst 100) Euro. Vielen Familien ermöglichen die Bildungs- und Teilhabe-Gutscheine die Teilnahme.

Für das „Antiradikalisierungsprojekt“ wurde die Einrichtung vor 2 Jahren sogar prämiert vom Bayerischen Rundfunk: „Wir kamen auf Platz 5 von 444 Bewerbern bei dem Wettbewerb „Gutes Beispiel“, erzählt uns Mehmet Yilmaz, der verantwortliche Projektleiter.
Um was es dabei geht, kann man sich in einem Video anschauen, das noch im Internet steht:
https://www.br.de/radio/bayern2/gutes-beispiel/das-waren-die-gewinner-2018-gutes-beispiel-100.html

Radikale Gruppen nutzen soziale Netzwerke zur Stimmungsmache und zur Rekrutierung neuer Anhänger. Der Global Elternverein aus Nürnberg will Schüler stark machen gegen Rassismus und Radikalisierung. Im Computerkurs lernen Jugendliche einen kritischen Umgang mit den Medien: Welche Daten gebe ich selbst preis? Ist das erste Suchergebnis bei Google automatisch das beste? Die Schüler werden sensibilisiert, nicht auf religiöse oder politische Extremisten reinzufallen. Nebenher lernen sie Programmieren und bekommen wichtige Tipps für die Schule und das Berufsleben

Mehmet hatte mit 11 Jahren als Mittelschüler angefangen, regelmäßig bei Global zu lernen. Als er die Fachoberschule besuchte, wurde er selber Tutor und später Nachhilfelehrer. Heute studiert er Mechatronik und Feinwerktechnik und möchte weitergeben, was er bei Global erfahren hat:

„Ich habe mich gern an Eddie Kayiira, unserem Vereinsvorsitzenden, orientiert, der früher mein Tutor war. Es war mir wichtig, immer ein bisschen „nach oben“ zu sehen und ihm etwas abzuschauen. Junge Menschen mit Migrationshintergrund können Kindern wichtige Möglichkeiten zur Identifikation bieten und das Lernen schmackhaft machen. Kinder brauchen die Orientierung, ein Ziel vor Augen, und jemand, der ihnen sagt: „Keine Ausreden! Du kannst es schaffen! Du hast viele Möglichkeiten!“

Und so wurde aus Mehmet, dessen Leidenschaft immer Autos waren, nun ein angehender Ingenieur, der Kinder ermuntert, schulisch bei der Stange zu bleiben und ihre Freunde aus der Klasse oder der Fußballmannschaft mitzubringen.

Die Räume des Global Elternvereins liegen im Haus der KFZ-Innung in St. Leonhard, die aus Gründen des Eigenbedarfs leider kündigen musste: Die Pandemie führt auch zu erhöhtem Platzbedarf bei der Innung.
Aber neue Räume, ganz in der Nähe, in der Schweinauer Straße, sind in Aussicht.
Der Verein freut sich über jede Spende, die seine Arbeit und den Umzug unterstützt!

Hier der Link zum Global Elternverein:
http://www.global-elternverein.de/
Auf der Homepage findet man auch die Spendenkontonummer.

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Bildnachweis: Foto D.Reinecke