Bärbel Sturm ist seit einigen Monaten Vorsitzende von „Großeltern stiften Zukunft e.V.“. Sie erzählt davon, wie sie den umtriebigen Verein kennenlernte und dazu kam, „Wunschgroßmutter“ zu werden.


„Der Name des Vereins hatte mich angelockt! Hinter ihm stecken Menschen, die nicht nur für die eigenen Enkel da sein wollen, sondern auch für Andere und die Zeit investieren für Kinder, die es nicht so gut haben wie die eigenen Enkelkinder. Der Name ist praktisch Programm – da wollte ich gerne mitarbeiten! Mir hat es große Freude gemacht, im leitenden Team und bei dem Wunschgroßelternprojekt mitzumachen… Für mich war klar, dass ich mich nicht selber als Wunschgroßmutter zur Verfügung stelle und mir nicht noch ein Engament mehr nach Hause hole.
Ich bin selber Großmutter und zusammen mit den Enkelkindern meiner Lebenspartnerin haben wir sechs Enkelkinder – und mit Hannah, meinem Wunschenkelkind, sind es sieben. Eine Art Patchworkfamilie also.
Einmal kam zum „Speeddating“ des Wunschgroßelternprojektes eine junge Familie mit einem drei Monate alten Baby. Sie guckten nach Wunschgroßeltern aus und die Mutter erzählte, ihre Eltern wären schon gestorben und die Eltern ihres Mannes wohnten weit weg – wir fragen ja immer nach der Motivation, sich bei uns zu melden. Dann bekam ich das Baby in den Arm gelegt und die Eltern informierten sich erst einmal. Beim Speeddating spielen die Kinder in der Mitte, es gibt Informationen und die Interessierten sitzen so außen herum und dann geht man in die Runde und fragt „Können Sie sich vorstellen, bei meinem Kind Wunschgroßeltern zu werden?“
Man erzählt sich ein bisschen voneinander, zum Beispiel „Wie oft stellen Sie sich das vor?“ und „Wo wohnen Sie?“ um abzutasten, ob das was werden könnte.
Speeddating findet etwa einmal monatlich statt. Yasmin Chaudry vom Forum Erwachsenenbildung im Haus „Eckstein“ organisiert diese Veranstaltung, bei der wir Wunschgroßeltern und Familien zusammenführen. Daraus ergeben sich alle nötigen Vereinbarungen. Der Verein gibt dann das Weitere in die Hände der Beteiligten, die dann für die Beziehungsgestaltung verantwortlich sind.
Ich hatte diesen jungen Eltern abgesagt, als sie mich fragten, ob ich eventuell für Hannah, das drei Monate alte Baby, als Wunschgroßmutter zur Verfügung stände. Abends ging ich in mich und fragte mich: „Warum hast du das jetzt eigentlich gesagt? Du möchtest doch gern nochmal ein kleines Kind betreuen!“ Ich habe die Familie dann angerufen und gesagt: „Ich steh doch zur Verfügung!“ und dann war das Liebe auf den ersten Blick. Das Kind schlief bei mir immer gut ein und wir waren uns sehr zugetan, so hat sich eine innige Beziehung daraus entwickelt.
Ich merke, dass ich als ältere Frau einem kleinen Kind viel Ruhe vermitteln und Geborgenheit geben kann. Davon habe ich auch selber etwas, denn wenn das Kind da ist, bin ich ganz im Hier und Jetzt, ich mache keine Action und Halligalli, ich bin nur da. Wie toll das ist, das habe ich als Mutter mit meinen eigenen Kindern so nicht erlebt. Ein Beispiel: Ich gehe mit Hannah, mit Erlaubnis der Eltern, auch in unsere schönen Nürnberger Kirchen. Die Eltern sind kirchenfern und ich bin ja sehr kirchennah und dachte: Das soll sie auch kennen lernen. Allein wie Hannah sich dann in einem Kirchenraum bewegt oder was das so mit ihr macht, da denk ich mir: Das kann man nur als Wunschgroßmutter so schön erleben.

Unser großer Wunsch ist, mehr zu werden! Wir werben schon nicht mehr bei Eltern, die kommen von alleine. Unsere Werbung zielt vor allem auf potentielle Wunschgroßeltern ab. Das können Einzelpersonen oder auch Paare sein.

Wie empfehlen immer, sich zu Beginn viel zu unterhalten. Man muß offen sein, aber auch Grenzen zeigen. Ich habe zum Beispiel gesagt: Ich kann höchstens einmal die Woche. Dann kann ich sie zu mir holen, oder ich kann sie aus der Krippe holen. Anfangs habe ich sie immer bei den Eltern betreut, so habe ich dann auch gesehen, wie die Eltern mit manchem umgehen und hab das abgeglichen damit, wie das bei mir ist. Die Eltern und ich tauschen uns immer wieder mal aus: Passt`s für Euch? Passt`s für mich?
Fünfeinhalb Jahre gibt es das Projekt – es sind schon etliche Kinder groß geworden mit Wunschgroßeltern! Es gibt aber auch Situationen, wo Wunschgroßeltern sagen: “Ich habe mich wieder getrennt von der Familie, weil die nur eine billige Aufpasserin haben wollten“. Hannahs Eltern und ich haben von Anfang an besprochen, dass es eine Beziehung auf Gegenseitigkeit sein soll. Sie haben zum Beispiel gesagt „Wenn es dir mal nicht gut geht, dann ruf an, dann kaufen wir für dich ein!“ und als sie mal hörten, dass ich krank war, haben sie nachfragt ob sie etwas für mich tun können.
Man geht eben doch im Idealfall eine langfristige Beziehung ein. Ja, es ist so eine Art von „Wahlverwandtschaft“, die sich da entwickelt…“

„Großeltern stiften Zukunft“ sucht stets nach neuen engagierten Großeltern!
Mehr darüber – und über zahlreiche andere Projekte des Vereins – unter:
http://www.grosseltern-stiften-zukunft.de

Zu Wunschgroßeltern informiert telefonisch Yasmin Chaudri: 0911 214 2133,
zu Fragen des Vereins Bärbel Sturm: 0911 351 576

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Bildnachweis: Rawpixel, Doris Reinecke, Bärbel Sturm