„Wird das ein Ende haben? Komm ich da raus?“ – Das TraumaHilfeZentrum Nürnberg

von | 28. September 2020 | Miteinander leben, streiten, wachsen, Sagen Sie mal…

„Netzwerk – Beratung – Fortbildung“: Mit diesen Schlagworten wirbt das TraumaHilfeZentrum Nürnberg (THZN abgekürzt) für seine Arbeit. Im Familienblog erzählen die Geschäftsführerin Edith Erhard und Vorstandsmitglied Jürgen Mahler über ihre Arbeit, die viel zu oft mit Erlebtem in der Familiengeschichte zu tun hat.

„Was ist denn ein Trauma – können Sie uns das mit einfachen Worten erklären?“

„Es gibt körperliche und seelische Verletzungen. Ein Trauma ist praktisch eine seelische Verletzung – ein einschneidendes Ereignis, dem man hilflos und ohnmächtig gegenübersteht,“ erklärt Jürgen Mahler. „Das Traumahilfezentrum bietet Hilfe für Betroffene an, die unter den Folgeschäden eines Traumas leiden. Manche Menschen – denken Sie an die Massenvernichtung der Nazizeit – überstehen schwere Traumata ohne bleibende Schäden. Manche wiederum leiden unter der Traumatisierung durch Ereignisse, die nicht so sehr ins Auge fallen“.

Edith Erhard schildert Beispiele aus der Kindheit von KlientInnen: „Stellen Sie sich vor, einem Kind wird immer wieder und wieder vermittelt, es tauge nichts. Denken Sie an Menschen, die in ihrer Kindheit wochenlang im Krankenhaus waren, ohne Kontakt zu den eigenen Eltern. Und denken Sie an die Umstände schlimmster Vernachlässigung, aus denen das Jugendamt Kinder oft herausholen muss: Das alles können Ursachen für Folgeschäden sein, unter denen Erwachsene schwer leiden.“

Hilflos ausgeliefert zu sein, das sei das schlimmste Moment einer Traumatisierung: „Oft ist nicht klar: Wird das ein Ende haben? Komm ich da raus?“
Die Psychologie wisse, dass Verschüttete nach einem Unglück, die es selber schaffen, sich zu befreien, seltener unter Folgeschäden litten als Diejenigen, die von anderen gerettet würden.

Betroffene, die unter Traumafolgeschäden leiden, können sich an das THZN wenden.

„Wie arbeitet das Traumahilfezentrum?“

„Nach einem Anruf oder einer Mail vereinbaren wir ein Orientierungsgespräch in unseren Räumen“, berichtet Edith Erhard. „Dabei kann vereinbart werden, ob jemand zu weiteren Beratungsgesprächen wiederkommt, oder sich einem unserer Gruppenangebote anschließt.“
Angeboten wird zum Beispiel eine Stabilisierungsgruppe, aber auch eine Gruppe für „Traumasensitives Yoga“.

Das TZHN bietet keine Therapie an, versteht sich aber als unterstützende Beratungsstelle, die begleitet und mit Betroffenen an deren Alltagsstabilität arbeitet.

Wichtig ist dem Team, sich fachlich gut zu vernetzen und regelmäßig Fortbildungen für Fachleute und Therapeuten anzubieten, sei es zur Traumaberatung oder verschiedenen Therapieansätzen: „Für die Teilnahme an unseren Fortbildungen werben wir auch gerne, denn durch sie finanzieren wir unser kostenloses Beratungsangebot.“

Die Arbeit der Geschäftsführerin wird durch den Bezirk Mittelfranken unterstützt, ansonsten arbeiten die THZN-Mitarbeitenden ehrenamtlich oder gegen ein kleines Honorar.

„Welches Angebot machen Sie speziell traumatisierten Männern?“

Jürgen Mahler ist verantwortlich für das Angebot für Männer, die häusliche und / oder sexualisierte Gewalt erlitten haben und unter den Folgen leiden:
„20 Prozent der Opfer häuslicher Gewalt sind Männer. Ihnen können wir das kostenlose Angebot einer Einzelberatung machen. Bis zu 15 Sitzungen sind möglich – dieses Spielraum haben wir, weil das Bayerische Sozialministerium unsere Arbeit in diesem Themenfeld unterstützt.“
Das Beratungsangebot gibt es seit März.

„Zu uns kommen Männer, die von ihren Frauen geschlagen wurden oder Gewalt in ihrer Ursprungsfamilie erlitten haben. Es kommen auch ältere Männer, die lang zurückliegende Bedrohungen immer wieder einholen, oder die von anderen Männern mißbraucht wurden.“

Gerade in Zeiten erzwungener sozialer Isolation aufgrund der Corona-Pandemie kann das Zusammenleben in Familie und Partnerschaft oft zur Zerreißprobe werden und häusliche Gewalt eine besondere Brisanz gewinnen.

Nähere Infos zum Traumahilfezentrum unter
https://www.thzn.org/
Hier gibt es unter anderem auch „Hilfreiches zum Umgang mit der Corona-Pandemie“ zum Download!

TraumaHilfeZentrum Nürnberg e.V.
Glockenhofstr.47, 90478 Nürnberg
kontakt@thzn.org, Tel. 0911 99009010

Interesse an der Beratung für traumatisierte Männer?
Jürgen Mahler ist für Sie erreichbar unter:
maenner@thzn.org , Tel. 0911-990090-11, Dienstag bis Donnerstag von 10:00 -11:00 Uhr

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Bildnachweis: Doris Reinecke