„Wir helfen, richtig einzuordnen und gehen bei Bedarf auch mal mit…“

von | 4. November 2019 | Miteinander leben, streiten, wachsen, Sagen Sie mal…

Die Jugend Information des Kreisjugendrings Nürnberg-Stadt liegt zentral im Glaskubus, gegenüber dem Hauptbahnhof. Eva Marenda berichtet für den Familienblog über ihre dortige Arbeit:

Junge Leute beziehen doch heute jede Art von Information aus dem Internet. Warum gibt es in Nürnberg eine JugendInformation, zu der man hingehen kann?

Das ist eine Frage, die uns oft gestellt wird. Es gibt gute Gründe, warum man Personen braucht, zu denen Jugendliche hingehen können. Junge Leute finden ganz viel im Netz, aber sie sind oft nicht Recherche-affin, um auch die richtige Information zu finden. Oder sie finden Informationen und können sie nicht bewerten. Sie sagen uns zum Beispiel: „Ich hab da 20 AuPair-Agenturen gefunden, sind die alle seriös?“ oder „Ich möchte gerne noch besser Deutsch lernen, wo kann ich einen Kurs machen?“. Die Vielfalt der Informationen macht junge Leute auch manchmal ein bisschen verloren.
Wir helfen dann, richtig einzuordnen, Kontakte herzustellen oder gehen bei Bedarf auch mal mit, wenn persönliche Vorsprache erforderlich ist.

Ihr haltet auch gedruckte Broschüren vor – zum Beispiel Tipps für den Bezug der ersten eigenen Wohnung. Kommen Jugendliche eher herein und nehmen sich mit, was sie brauchen oder suchen sie das Gespräch?

Das ist unterschiedlich und wir haben ja nicht nur Jugendliche als Zielgruppe, sondern auch Eltern und Multiplikator*innen. Jugendliche gehen überwiegend ins Netz und holen sich da erstmal Infos, die sie brauchen. Dann suchen sie den Kontakt über Telefon oder Mail oder unsere Whatsapp-Beratung und machen höchstens einen Termin bei uns aus, wenn vertiefte Beratung nötig ist. Eltern kommen eher hierher und blättern, sie möchten, wenn sie gehen, etwas in der Hand haben, was sie auch weitergeben können.

Was sind denn die Schwerpunktthemen, mit denen Jugendliche bei Euch landen?

Das kommt auf die Jahreszeit an. Wenn das Semester beginnt ist Wohnen ein großes Thema. Im Winter, der dunklen Jahreszeit, sind es eher Problemlagen, die zur Sprache kommen und im Sommer dreht sich viel um Freizeit, z.B. „Wo kann ich eine bestimmte Sportart ausüben?“ Rechtsberatung geht immer. Jeden 2. und 4. Mittwoch im Monat sitzen ab 17:00 Uhr jemand aus unserem ehrenamtlichen Anwaltsteam und eine pädagogische Kraft in der LUISE (Luise – The Cultfactory, Scharrerstr.15) und dann kann kommen, wer will – Jugendliche oder Kinder, da ist nach unten keine Grenze gesetzt, aber nach oben, beim Alter von 27 Jahren. Man kommt mit konkreten Fragen oder auch mit einem Strafbefehl und erhält in einem geschützten Raum eine richtige Erstberatung. Oft werden soziale Fragen mit aufgeworfen, dann kommen wir von der Jugend Information mit ins Spiel, bei Themen wie „Ich bin rausgeflogen – ich hab kein Geld und keinen Platz zum Schlafen“.

Die Jugend Information findet man an derselben Infotheke wie Tourismusinformation und Kulturinformation. Wo kann man sich denn hier geschützt unterhalten?

Das ist hier in der Tat schwierig und wenn wir im Erstkontakt merken, es ist ein intensives persönliches Gespräch nötig, dann führen wir es in den Räumen, in denen wir aktuell unser Backoffice haben. Das ist zwar nicht sehr niedrigschwellig, geht aber im Moment nicht anders.

Wisst ihr, über welche Wege Jugendliche zu Euch kommen?

Die wenigsten fallen uns einfach vor die Theke. Viele kommen über das Jugendamt oder andere Ämter, auch Sozialarbeiter an Schulen verweisen auf uns. Viele finden uns auch im Internet und kommen einfach her.

Und wenn jemand nicht so gut Deutsch spricht?

Wir haben 2016 auch angefangen, mit Geflüchteten zu arbeiten und damals manche Infos in die Sprachen der Herkunftsländer übersetzt, so, dass wir mit Broschüren, aber auch Dolmetschern arbeiten konnten. Das hat sich mittlerweile spürbar verbessert, da die Sprachkenntnisse von jungen Geflüchteten besser geworden sind. Unsere Jugendlotsen spüren das, die unser Team als Honorarkräfte ergänzen und z.B. zu Ärzten oder Ämtern mitgehen. Manchmal geht es dann gar nicht so sehr darum, sprachlich zu übersetzen, sondern Mittler zu sein, weil wir schon viel wissen über den Jugendlichen, den wir begleiten.
Geflüchtete haben auch oft ein so gutes Netzwerk, dass sie heute in der Regel jemanden mitbringen können, der für sie dolmetscht.

„Reisen und Durchblicken“ ist ja schon lange ein Renner in Eurer Arbeit – die Beratung rund um Ferien, Freizeiten und Jugendurlaub. Hat sich das Reiseverhalten von Jugendlichen verändert im Laufe der Zeit?

Der Beratungsbedarf dazu ist sehr zurückgegangen. Jugendliche finden heute selbständiger Infos zu Reiseveranstaltern oder organisieren komplett selber ihren ersten eigenen Urlaub.
Wir stellen aber schon fest, dass Menschen mit Migrationshintergrund, die recht neu hier sind, Informationen über Ferienbetreuungsmöglichkeiten für Kinder fehlen und wie der Zugang dazu ist. Dass es auch kein Manko ist, wenn sie hierfür Bezuschussung beantragen, sondern dass sie ihren Kindern etwas Gutes tun, wenn sie in den Ferien etwas erleben. Viele sind gewohnt, auf sich selber gestellt zu sein und kennen unsere Betreuungsstrukturen noch zu wenig.

Euer Team hat langjährige Erfahrung. Was würdest Du, in aller Kürze sagen, was gut läuft und schlecht läuft in Bezug auf Jugendliche in Nürnberg?

Es gibt in Nürnberg Jugendliche, die durch alle Raster fallen, aus welchen Gründen auch immer, und von Einrichtung zu Einrichtung gereicht werden. Das werden mehr, spüren wir, und auch uns fehlen die Möglichkeiten, solchen gestrandeten Jugendlichen mit Verhaltensauffälligkeiten zu helfen.
Aber was ich gut an Nürnberg finde, ist, dass es hier schon so etwas wie eine Willkommenskultur gibt. Die Nürnberger Jugendlichen sind ziemlich engagiert und zwar sowohl, die, die schon lange hier sind als auch die, die neu dazu kommen. Trotz aller Befürchtungen vor einigen Jahren gehen Jugendliche in der Regel aufeinander zu und gestalten Dinge gemeinsam.

Jugend Information Nürnberg
Königstr. 93 , 90402 Nürnberg
Telefon: 09 11/8 10 07-30
WhatsApp: 0163/3 41 29 10
E-Mail: info@jugendinformation-nuernberg.de
https://www.jugendinformation-nuernberg.de/whatsapp.html

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Bildnachweis: Doris Reinecke