Wenn Erziehungsberatung in den Kindergarten geht …

von | 11. Dezember 2018 | Miteinander leben, streiten, wachsen, Sagen Sie mal…

Es gibt Kitas, in denen Eltern keinen weiten Weg zurücklegen müssen, wenn sie Rat zur Erziehung ihres Kindes suchen: Sie kooperieren regelmäßig mit der Erziehungs- und Familienberatung des Jugendamtes. Dann gibt es entweder eine regelmäßige Sprechstunde in der Kita oder die Erzieherinnen bahnen je nach Bedarf den Kontakt an. In zwei Familienzentren ist die Beratungsstelle sogar im selben Haus untergebracht. „Hier sind die Wege zu uns kurz und die Zusammenarbeit ist unkompliziert,“ meint Kurt Wieser, Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut. Sein Team arbeitet im Dachgeschoss des Familienzentrums der AWO am Philipp-Körber-Weg 2. „Wenn Mutter und Erzieherin über ein Problem sprechen, dann gibt es die Möglichkeit, mal schnell gemeinsam zu uns hoch zu schauen. Dann können wir uns kurz kennenlernen und zeitnah einen Termin vereinbaren.“

Manche Eltern vermeiden diese Nähe zu den Erziehungsberatern aber auch lieber. Sie möchten anderen Eltern gegenüber anonymer sein, wenn sie Beratung in Anspruch nehmen. Das sei auch ganz ok, betont Kurt Wieser, und versichert, dass er und seine Kolleginnen nur mit dem Kitapersonal über einzelne Kinder sprechen, wenn die Eltern eine Schweigepflichtentbindung unterschrieben haben.
„Es gibt ja Erziehungsberatung noch an weiteren Standorten hier in Nürnberg. Die Wartezeit für den ersten Termin beträgt so in etwa 2 bis 3 Wochen“. In der Praxis hat es sich aber sehr bewährt, wenn Eltern, Erziehungsberatung und Kindergarten an einem Tisch sitzen, um Lösungen zu finden.

Mit welchen Themen kommen Eltern zur Erziehungsberatung?
„Zu mir kommen Eltern auch mit Fragen zum Thema Trennung und Scheidung; sie wollen gute Lösungen für ihre Kinder finden“, berichtet Kurt Wieser, „meist geht es aber um Erziehungsthemen. Zum Beispiel um Ängste der Kinder, um die Ablösung von der Mutter oder auffälliges Verhalten der Kinder. Auch Probleme in der Familie oder erlebte Gewalt können Gegenstand von Beratung sein.“
 „Engagiertes Fachpersonal erfährt auch Einiges über das Miteinander von Kindern und Eltern. Wichtig ist es, große Sensibilität gegenüber anderen Kulturen mitzubringen, denn viele Eltern haben Migrationshintergrund. Das Vertrauen, das Eltern in einen Kindergarten gewonnen haben, kann von den Fachkräften dann auch auf die Erziehungsberatung übertragen werden.“
Überwiegend kommen Mütter auf ihn zu. Es gibt auch zunehmend engagierte Väter, die sich Rat holen. Optimal ist es, wenn beide Eltern gemeinsam auf die Erziehungsberatung zugehen.

Foto Doris Reinecke

Wie kann denn gute Zusammenarbeit von Eltern, Kita und Erziehungsberatung zustande kommen?
Kurt Wieser erläutert das anhand des Beispiels einer Mutter, die mit ihrem Vorschulkind auf Anregung der Erzieherin kommt:
„Aus dem Kindergarten wird berichtet, das Kind sei sehr frech und arbeite nicht mit. Die Mutter wiederum versteht das nicht und meint, das liege wohl an der Erzieherin oder der Einrichtung – sie selber habe keine Probleme mit dem Kind. Nun kann ich nach einer Schweigepflichtentbindung mit der Erzieherin reden. Von ihr wird mir berichtet, sie sähe große Probleme bei der bevorstehenden Einschulung. Dies sei für die Mutter auch kein Problem, sie wolle das Kind eh zurückstellen lassen. Die Eltern leben in Trennung und auch beim Vater mache das Kind, was es wolle. Jetzt ist es von Vorteil, wenn sich alle Beteiligten in der Kita an einen Tisch setzen würden. Wenn man es schafft, sich ohne Vorwürfe zu begegnen und gemeinsam nach Lösungen sucht, dann reagiert auch das Kind. Mich interessiert dabei auch, wie man in der Einrichtung mit dem Verhalten des Kindes umgeht? Wird das Kind gemocht? Wen mag das Kind? Viele Fragen lassen sich nach einem guten Einstieg miteinander ansprechen. Vor allem versuche ich, die Ressourcen der Eltern zu stärken.“

In den freundlichen Räumen der Erziehungsberatung finden sich auch die kuscheligen Drachen, die Kurt Wieser hier im Bild zeigt: „Kinder mögen sie besonders gern, um anhand des kleinen und des großen Drachen zu zeigen, wie Eltern und Kind miteinander umgehen.“

Mehr über die städtische Erziehungsberatung kann nachgelesen werden unter https://www.nuernberg.de/internet/jugendamt/erziehungsberatung.html

Foto Doris Reinecke

Foto Doris Reinecke

1 Kommentar

  1. Liebe Doris, danke für deinen Beitrag! Ich finde es sehr wichtig, dass Eltern auch nach der Trennung an einem Strang ziehen. Noch wichtiger erachte ich es, wenn die – insofern die Notwendigkeit besteht – eine Erziehungsberatung in Anspruch nehmen. Schließlich kann dies langfristig nur zum Vorteil für das gemeinsame Kind sein. Doch das muss man sich erst einmal eingestehen. Ich kann allen Eltern nur Mut machen, sich Hilfe zu holen, bevor sie völlig ausgebrannt sind!

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Bildnachweis: Foto Doris Reinecke, Kurt Wieser, Kinder im Blick, Puppe