„Wenn ein Kind Diabetes hat, ist automatisch die ganze Familie betroffen“

von | 7. August 2020 | Eltern werden, Eltern sein, Sagen Sie mal…

Während unseres Interviews ruft der Kindergarten Frank Schmittlein an: Ein Kind feiert Geburtstag und hat Kuchen mitgebracht. Darf sein Sohn Farid den Kuchen essen oder lieber nicht?
Farid ist 3 Jahre alt und an Typ-1-Diabetes erkrankt. Geburtstagsfeiern, spontan zum Bäcker, mal eben ein Eis in der Stadt… all das sind Herausforderungen – für die ganze Familie, wissen die Angehörigen.

Der Verein Diabetes-Hilfe Nürnberg e.V., in welchem Frank Schmittlein seit Anfang des Jahres der Vorstandsvorsitzende ist, bietet Müttern und Vätern von Kindern und Jugendlichen, die an Typ-1-Diabetes erkrankt sind, die Möglichkeit zum Austausch und zur gesundheitlichen Aufklärung. Ganz unter dem Motto „Eltern helfen Eltern“.

Die Aktivitäten für Kinder und Jugendliche werden dabei oft mit Schulungen zu entsprechenden Themen, wie z.B. Diabetes und Sport verbunden. Dabei genießen die Kinder und Jugendlichen es, nicht allein mit dem Thema Diabetes zu sein. Die Eltern nehmen die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Betroffenen wahr.

„Wenn die Diagnose Diabetes kommt steht man als Elternteil zunächst vor einem riesigen Berg von Unsicherheiten, Anträgen und Fragen. Wir bekamen zwar direkt in der Klinik Unterstützung von Diabetologen, Ernährungsberatern, Psychologen und Sozialbetreuern, aber kämpfen zum Beispiel noch immer um die Pflegestufe 2.“, erklärt uns Herr Schmittlein.

Bei seinem Sohn Farid wurde der Diabetes erst im September letzten Jahres festgestellt. „Er hatte eine Lungenentzündung, wir sind sofort zum Arzt und dann in die Klinik gefahren. Schnell teilte man uns mit: Verdacht auf Diabetes.“, so Farids Vater, „Das war natürlich ein riesiger Schock für uns.“

Frank Schmittlein gibt zu bedenken, dass Farids Verhalten im Nachgang mit der Diagnose viel besser gedeutet werden kann. Er habe zum Beispiel immer Durst gehabt, aber eine Erkrankung vermuteten Farids Eltern deshalb noch nicht, da es sonst keine Auffälligkeiten gab.

„Ich würde sagen, dass Farid seine Krankheit aktuell mit Fassung trägt. Bei unserem dreiwöchigen Klinikaufenthalt zur Diagnose war das aber anders, er hat viel geweint und seine gewohnte Umgebung vermisst.“, berichtet uns der Vorstandsvorsitzende der Diabetes-Hilfe in Nürnberg.

Im Gegensatz zu anderen Diabetesformen muss der Typ-1-Diabetes immer mit Insulin behandelt werden. Bei kleinen Kindern sei das eine große Herausforderung.
„Für Farid ist die Insulinpumpentherapie das sinnvollste Behandlungssystem, denn sein Insulinbedarf ist noch gering und wir kommen, nach einiger Übung, gut mit der Handhabung zurecht.“, fährt Frank Schmittlein fort, „Das ist ein kleines Gerät, welches er um den Bauch trägt und an welchem man den Blutzuckerspiegel ablesen kann: hochmodern mit Messkurve und Entwicklungstendenz. Das Gerät ist mit einem Katheter verbunden, den wir alle zwei Tage wechseln müssen. Der Sensor muss wöchentlich gewechselt werden“

Farid geht in einen inklusiven Kindergarten. Da die Fachkräfte dort bisher noch kein an Diabetes erkranktes Kind betreut haben, wurden die Mitarbeitenden des Kindergartens inkl. Koch von einer Krankenschwester spezifisch dafür geschult und vorbereitet.

„Bei einer Diabeteserkrankung müssen alle Kohlenhydrate abgewogen und genau berechnet werden. Wenn Farid im Kindergarten ist, müssen dies natürlich die Betreuer und Betreuerinnen vor Ort übernehmen. Wir haben dabei gute Erfahrungen gemacht, aber müssen natürlich trotzdem rund um die Uhr erreichbar sein. Falls Fragen oder Unklarheiten aufkommen oder aber der Sensor ausfällt, dann müssen wir vorbeikommen.“, berichtet Frank Schmittlein.

Und siehe da: Wie eingangs beschrieben ruft auch während des Interviews eine Betreuerin aus dem Kindergarten an, um mit Frank Schmittlein Rücksprache zu halten.

„Wenn ein Kind Diabetes hat, ist automatisch die ganze Familie betroffen. So ist zum Beispiel Farids 12-jähriger Bruder natürlich auch beim Essen eingeschränkt, weil wir alle auf Farid Rücksicht nehmen. Und auch meine Frau und ich haben kaum Zeit füreinander, weil wir immer erreichbar sein müssen.“, berichtet uns der Vorstandsvorsitzende der Diabetes-Hilfe Nürnberg nachdenklich.

„Deshalb bin ich auch der Meinung, dass die Arbeit der Diabetes-Hilfe in Nürnberg so wichtig ist. Die bislang 50 Mitglieder können sich in dem Rahmen austauschen, Tipps einholen und merken vor allem, dass sie nicht allein vor diesem Berg von Anträgen und Unsicherheiten stehen.“, so Frank Schmittlein.

Hier findet Ihr weitere Infos zu der Diabetes-Hilfe Nürnberg e.V.:
https://www.diabetes-hilfe-nuernberg.de/

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