Vom Zusammenspiel der Generationen

von | 19. August 2019 | Miteinander leben, streiten, wachsen

Seit einigen Wochen treibt mich der Gedanke an unsere Zukunft noch stärker um als sonst. Mein Sohn stellt immer schlauere Fragen darüber, warum die Erwachsenen denn nichts gegen den Klimawandel tun. Das Thema ist Gesprächsstoff auf dem Pausenhof der Grundschule. Als ich in der Grundschule war, gab es den Supergau in Tschernobyl. Unsere Spielplätze wurden gesperrt und bei Regen durften wir nicht nach draußen. Ich hatte damals Angst, aber wir Kinder sollten die Nachrichten nicht sehen und hatten keine Ahnung was wirklich los war.

Bereits 2013 führten Schülerinnen einer neunten Klasse in Dänemark ein erstaunliches Experiment durch

Den Mädchen war aufgefallen, dass sie neben ihren Handys nicht gut schlafen konnten. Sie gingen der Sache nach und entwickelten einen Versuchsablauf: Sie stellten ein Schälchen mit Gartenkresse in einen Raum mit W-Lan-Router, ein Zweites in einen Raum ohne. Dabei achteten sie penibel auf nahezu identische Bedingungen und stellten nach wenigen Tagen verblüfft fest, dass die Kresse aus dem Raum mit dem Router bräunlich, unterentwickelt und sogar stellenweise mutiert war. Das andere Schälchen war saftig und grün.
Einige Jahre zuvor gründete der damals 9-jährige Felix Finkbeiner die Schülerinitiative „Plant for the Planet“, in der heute sich heute weltweit über 100.000 Kinder für die Aufforstung einsetzen.

„Fridays for Future“

Aktuell erleben wir mit der „Fridays for Future“ Bewegung, die von der 16-jährigen Greta Thunberg initiiert wurde und inzwischen über zwei Millionen Kinder und Jugendliche in Bewegung gebracht hat, junge Menschen, die mit klugen, fundierten Argumenten die Phrasen unserer Politiker hohl und hilflos klingen lassen. Jeden Freitag treffen sich, auch in Nürnberg, engagierte Demonstrantinnen und Demonstranten, um auf das massive Versäumnis unserer Politik aufmerksam zu machen. Deutschland hat sich dazu verpflichtet, den CO2 Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren. Dieses Ziel ist jetzt schon nicht mehr zu erreichen.

 

 

Ich will hier nicht näher auf die Hintergründe zur möglichen Schädlichkeit von W-Lan-Routern oder der Nützlichkeit, Bäume zu pflanzen eingehen.

Was mich hier und in vielen anderen Beispielen der letzten Jahre bewegt ist, dass wir es mit jüngeren Generationen zu tun haben, die besonders früh Zugang zu Wissen und strategischen Herangehensweisen erhalten haben. Anstatt darauf zu warten, dass endlich “etwas passiert“, nehmen sie die Dinge selbst in die Hand. In meiner Kindheit gab es das Internet noch nicht, sondern bestenfalls den Brockhaus. Informationen über Politik oder gesellschaftliche Missstände erhielten wir im Schulunterricht oder aus den Nachrichten. Wir ersten Internetnutzer und Nutzerinnen waren meiner Meinung nach noch gar nicht in der Lage, unsere Denkvorgänge wirklich sinnvoll mit dem uns nun zur Verfügung stehenden Informationspool zu füttern. Bei den sogenannten „Digital Natives“ ist das ganz anders. Sie agieren häufig selbstbewusst und zielsicher, wenn es darum geht, Projekte umzusetzen. Genderkorrekte Sprache, veganer oder vegetarischer Lebensstil, Zero Waste – all das sind für sie keine Großprojekte, sondern findet einfach nebenbei statt. Viele beschäftigen sich schon in jungen Jahren mit Meditation und der Entwicklung ihres Bewusstseins. Natürlich bringt der neue Lebensstil auch viele neue Fallstricke mit, aber in diesem Text möchte ich mich bewusst den Sonnenseiten zuwenden.

Häufig höre ich von Menschen in der Lebensmitte oder von den Alten schnippische, überhebliche Kommentare über ebendiese jungen Leute. Als wäre es ein Zeichen von Unreife, sich aufzulehnen und neue Perspektiven einzunehmen. Dabei ist doch genau das die Aufgabe der Jugend: die alten Strukturen zu erschüttern, starre Systeme aufzuweichen und neue, meinetwegen auch radikale Ideen einzuspeisen, damit generationenübergreifendes Wachstum überhaupt entstehen kann.

Ich wünsche mir, dass wir einander richtig zuhören! Wer wäre denn besser geeignet uns Dinosaurier an die Hand zu nehmen, als diejenigen, die noch lange nach uns auf dieser Erde leben wollen?

 

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Bildnachweis: Fridays for Future Nürnberg