Vom Regen in die Sonne und zurück – eine Familienradtour durch Franken

von | 14. September 2020 | Freizeit!!!

Die Aussichten waren ausgesprochen trüb. Eine Regenwahrscheinlichkeit von 90 Prozent ist nicht gerade das, was man sich wünscht für eine Radtour mit Zelt und drei Kindern. Aber als erprobte Radreisende ließen wir uns weder von den trüben Aussichten noch von den Einschränkungen durch Covid 19 davon abhalten, auch in diesen Pfingstferien eine mehrtägige Radtour zu unternehmen. Kurzfristig habe ich drei Unterkünfte reserviert, da die meisten Campingplätze nur Übernachtungsgäste mit eigener Sanitäranlage aufnahmen. Die erste Nacht wollten wir in der Nähe von Forchheim auf dem Gartengrundstück meines Vaters verbringen, hier war das Zelten problemlos möglich.

Am Dienstag früh sattelte ich mit meinen drei Kindern von 10, 9 und 5 Jahren unsere Räder. Mein Mann Felix musste noch arbeiten. Hoch motiviert flitzten die drei Kinder los. Die zwei Großen voraus, denn so nah der Heimat war der Weg noch wohlbekannt.

Schon bald mussten wir unsere Regenponchos herausholen. Es regnete zwar nicht sehr stark, aber fast ohne Pause. Kurz vor Mittag stieß Opa mit seinem E-Bike zu uns. Das Mittagessen in einem Park an der Rednitz war eine eher feuchte Angelegenheit, dafür war nur wenig los auf dem Radweg entlang Bibert, Rednitz und Regnitz, der sonst recht voll ist. Im Kindergarten-Tempo kamen wir nur langsam voran. Am Kanal zwischen Fürth und Erlangen beeindruckten die hohen Brücken, über die der Kanal läuft. An der Erlanger Schleuse schließlich hat mein Mann uns am Nachmittag eingeholt. Mit hohem Tempo hat er in etwas mehr als einer Stunde die Strecke bewältigt, für die wir den ganzen Tag unterwegs waren. Wir beobachteten noch die Funktionsweise der Schleuse, dann ging es zusammen weiter. Jetzt konnte unsere Kleinste an Papas Fahrrad angekoppelt werden, was unser Tempo deutlich erhöhte. Telefonisch reservierten wir einen Tisch bei einem indischen Lokal in Bubenreuth und bei leckerem Essen wäre der Tage eigentlich schön ausgeklungen, aber wir mussten nochmal los und weiter durch den Regen bis zu unserem Ziel. Während mein Mann und ich die Zelte aufbauten, schürten die Kinder mit ihrem Opa ein warmes Lagerfeuer. Richtig schön! Nur auf die vielen Stechmücken hätten wir gerne verzichtet.

Am nächsten Morgen: immer noch Regen. Aber es kam noch schlimmer. Wir waren noch nicht einmal einen Kilometer geradelt, als das Hinterrad meines Sohnes Luft verlor. Also hielten wir an und ich versuchte, dass platte Rad wieder aufzupumpen. Da gab es plötzlich einen lauten Knall und der Schlauch war zerfetzt. Keine Chance, diesen zu flicken. Wir hatten Schläuche in 3 verschiedenen Größen dabei, aber genau sein Rad war das einzige, für das wir keinen Ersatzschlauch hatten. Also gab ich meinem Mann die schwerste Tasche und radelte 4,5 km zum nächsten Baumarkt, der zum Glück die richtige Größe dahatte. Zwischenzeitlich hatte der Rest der Familie im nächsten Dorf ein trockenes Plätzchen gefunden, an dem die Kinder spielten, während wir nach meiner Rückkehr den Schlauch ersetzten. So war der halbe Vormittag rum und wir waren kaum vorangekommen, also traten wir kräftig in die Pedale. Am Kanal entlang ging es von Forchheim bis nach Hirschhaid und in Pettstadt nahmen wir die Fähre über die Regnitz und machten in einer Regenpause Mittag. Auf Bamberg hatten wir uns sehr gefreut, aber im Regen und mit dem straffen Zeitplan, fuhren wir nur durch die Altstadt, ohne uns etwas genauer anzusehen. Dafür machten wir am Spielplatz auf der Erba-Insel eine ausgiebige Pause. Petrus hatte ein Einsehen und verschonte uns mit weiterem Regen. Der Spielplatz ist klasse mit tollen Rutschen, Wasserspielen und einer aufregenden Seilbahn über den Bach. Schließlich mussten wir weiterfahren bis zu unserer Unterkunft in Eltmann. So gut es ging, versuchten wir unsere nassen Sachen zum Trocknen aufzuhängen und genossen eine schöne heiße Dusche.

Am nächsten Tag war es früh noch bewölkt, doch im Laufe des Tages konnten wir die Jacken ausziehen. Am Main entlang ging es jetzt und heute fuhr auch unsere Kleinste wieder einige Wegstücke allein. Wir genossen die Zeit mit den Kindern. Zeit zum Reden, zum Singen und ohne Handy, Haushalt und Gedanken an die Arbeit. Am Nachmittag kam auch die Sonne heraus und die Kinder machten an einem schönen Spielplatz, den wir schon von einer anderen Radtour vor 6 Jahren kannten, eine ausgiebige Pause. Unser Tagesziel war die Mainschleife. Hier hatten wir kurzfristig eine wunderschöne Ferienwohnung bekommen, in den Gassen eines kleinen, durch Weinbau geprägten Ortes. Der Wein wurde schließlich auf der Terasse eines Lokals mit Blick auf die Weinberge und den Main genossen. Beim anschließenden Spaziergang sahen wir noch ein Schwanenpaar mit ihrem Nachwuchs. Müde, aber zufrieden fielen wir abends in unsere Betten.

Der Spruch des nächsten Tages lautete: „The early bird catches the ferry“, denn wir wollten auf der anderen Seite des Mains weiterfahren und die Fähre fuhr morgens nur zwischen 7 und 9 Uhr. Brücken gibt es hier keine. Also holten wir Brötchen beim Bäckerwagen, bepackten die Räder und fuhren – jetzt wieder bei strahlendem Sonnenschein – über den Main. Nach ein paar Kilometern fanden wir einen schönen Spielplatz, an dem wir ausgiebig frühstückten und die Kinder ausgiebig spielten. Meist zwischen Main und den Weinbergen führte unser Radweg bis nach Kitzingen. Natürlich war bei dem sonnig-heißen Wetter ein großer Eisbecher für jeden gesetzt. Und einen schönen Spielplatz gab es hier auch (der/die findige Leser/in merkt schon, dass man auf den Familienradtouren mehr die Spielplätze als die Sehenswürdigkeiten kennen lernt). Am späten Nachmittag fuhr Felix mit den beiden Großen voraus zum Zeltplatz nach Ochsenfurt und ich fuhr gemütlich mit der Kleinsten hinterher. Am Zeltplatz konnten wir tatsächlich in einem Seitenarm des Mains baden und uns ordentlich abkühlen. Das Abendessen kochten wir auf dem Campingkocher, was den Kindern immer besonders gut gefällt.

Am nächsten Morgen trockneten die Zelte schnell in der Sonne. An diesem Tag verließen wir den Main, an dessen Lauf wir zweieinhalb Tage geradelt waren. Auf einer aufgelassenen Bahnstrecke verläuft der Gaubahnradweg zwischen dem Main und dem Taubertal. Zunächst geht es – nicht steil, aber stetig – bergauf. Schnell kamen wir zu einem wunderschönen Abenteuerspielplatz mit Kneippanlage. Auch wenn wir noch nicht viel Strecke geschafft hatten, hier mussten wir anhalten. Dann ging es weiter, statt den Dampflocks von früher schnauften wir nun in der Hitze hinauf und flitzten dann später hinunter ins Taubertal. An der Tauber fanden wir ein idyllisches Plätzchen direkt am Fluss und neben einer Leiter zum Baden gab es ein abenteuerliches Tarzanseil, an dem unsere beiden Großen sich in den Fluss schwangen. Unserer Kleinen machte das Schwimmen Spaß, trotz der Kälte war sie nach der langen coronabedingten Schwimmbadpause froh, mal wieder im Wasser zu sein.
Ganz im Gegensatz zum Mainradweg ist der Taubertalradweg nicht flach, sondern es geht ständig bergauf und bergab. Die Landschaft ist wunderschön und nach einigen weiteren Kilometern tauchten schließlich die Umrisse der mittelalterlichen Stadt Rothenburg hoch über uns auf. Steil ging es hinauf und nur unsere Große schaffte es ganz ohne Schieben – schließlich waren wir alle mit Gepäck beladen. In einer kleinen Pension kamen wir unter und nach einer kurzen Pause liefen wir noch auf der Stadtmauer spazieren und kehrten in einer Pizzeria ein. Es wurde ziemlich spät und unsere kleine Tochter schlief nach ihrer Pizza selig an ihrem Platz ein. Auf dem Arm trugen wir sie zu unserer Unterkunft und in ihr Bett.

In der Nacht brachen dann die Gewitter über uns herein. Im strömenden Regen liefen wir morgens zu einem Café zum Frühstücken und im Regen brachen wir zu unserer letzten Etappe auf. Schon nach wenigen Kilometern erwartete uns ein großer Anstieg zur Frankenhöhe. Der Regen hatte etwas nachgelassen und wir mussten alle Kräfte mobilisieren. Hügelig und auf Schotterwegen ging es weiter. Unsere Jüngste war gut ausgeschlafen und verkündete nach den ersten 12 Kilometern, dass sie den Rest der Strecke selbst fahren würde. Also wurde sie abgekoppelt und hat es tatsächlich geschafft, die restlichen 50 Kilometer selbst zu fahren.
Wir waren froh, dass wir uns von dem anfänglichen Regen nicht den Spaß haben verderben lassen, denn es war eine wunderschöne, sehr abwechslungsreiche Radtour mit etwa 350 km an 6 Tagen, die uns allen sehr gut getan hat. Mal sehen, wohin es das nächste Mal geht.

 

Bildnachweis: Eva Didion

 

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