Viele hilfreiche Angebote unter einem Dach – Der Treffpunkt e.V.

von | 4. März 2022 | Miteinander leben, streiten, wachsen, Sagen Sie mal…

Der Treffpunkt e.V. ist eine von neun Familienbildungsstellen in Nürnberg und einer von sieben Familienstützpunkten. Das allgemeine Beratungsangebot und viele Bildungsangebote richten sich an alle Eltern. Daneben hat der Treffpunkt e.V. aber auch eine ganze Reihe von Angeboten für besondere Zielgruppen entwickelt. Welche das sind und wie sie entstanden sind, das hat uns Hilde Kugler, die Geschäftsführerin des Vereins, verraten.

Hilfen für Angehörige von Inhaftierten

„Ich habe schon als junge Sozialpädagogin in der Straffälligenhilfe gearbeitet und gemerkt, dass sich niemand in dem System überlegt, wie es den Frauen und den Kindern von Straffälligen geht“, erzählt Hilde Kugler. 1989 hat sie deshalb über eine Zeitungsannonce eine offene Angehörigengruppe ins Leben gerufen. Zwei Jahre später gründet sie mit einigen anderen den Verein Treffpunkt e.V. und baut eine Beratungsstelle für Angehörige von Inhaftierten auf. Das Konzept dafür hatte sie schon in ihrer Diplomarbeit entwickelt.

Nach 10 Jahren wurde dem Team bewusst, dass auch die Kinder von Inhaftierten mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung brauchen. Daraus entstanden die Vater-Kind-Gruppen in der JVA. Hier treffen sich Kinder und Väter und spielen und basteln zusammen. Die Kinder werden bei dem Besuch von Pädagog*innen begleitet und haben die Möglichkeit, mit ihnen über ihre Erfahrungen und Gefühle zu reden. Mittlerweile gibt es auch eine Gruppe für inhaftierte Mütter.

„In der Kinderrechtskonvention steht, dass Kinder das Recht auf regelmäßigen Kontakt mit ihren Eltern haben. Das gilt auch, wenn die Eltern im Gefängnis, in der Psychiatrie oder im Krankenhaus sind. Aber ein Bewusstsein dafür entsteht in vielen Institutionen gerade erst“, erklärt Hilde Kugler. Damit betroffene Kinder und ihre Mütter schneller Zugang zu Information, Begleitung und Unterstützung bekommen, hat sie mit ihrem Netzwerk „Kinder von Inhaftierten“ und einer Stiftung ein bundesweites Projekt zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe und Justiz aufgesetzt.

Ein weiteres Projekt, um Kinder von Inhaftierten stärker einzubinden und zu beteiligen, ist KiA – Kinder in Aktion. Aktuell werden in allen bayerischen Justizvollzugsanstalten Kinderbriefkästen aufgehängt, damit die Kinder dort Karten an den Vater oder die Mutter einwerfen können. Außerdem werden Briefe-Sets für Kinder und Eltern zu verschiedenen Themen entwickelt, um so den Austausch zu fördern.
Und auf Juki online, einer Plattform im Internet, finden Kinder und Jugendliche Antworten auf ihre Fragen rund um das Thema Inhaftierung und können sich online beraten lassen.

Mittlerweile engagiert sich Hilde Kugler seit mehr als 30 Jahren für Angehörige von Inhaftierten. Hierfür wurde sie mit dem Frauenförderpreis der Stadt Nürnberg 2022 ausgezeichnet – herzlichen Glückwunsch!

Angebote für (junge) Frauen und Mütter

„Unsere Angebote sollen immer auch eine Perspektive aufzeigen und die Betroffenen stärken“, das ist Hilde Kugler besonders wichtig.

Eines dieser Angebote ist MUT, eine Gruppe für Schwangere und Mütter unter 25 Jahren. Einige der Frauen erhalten zusätzlich eine vertiefende Einzelberatung und Hausbesuche. „Damit fördern wir die Mutter-Kind-Kommunikation und stärken die Bindung. Dieser präventive Ansatz ist sehr wertvoll, damit sich die Kinder gut entwickeln können und nicht erst Hilfen einsetzen, wenn sie verhaltensauffällig werden“, so Hilde Kugler.
2 bis 3 Jahre bleiben die Frauen meistens in der Gruppe. Wenn sie einen Kita-Platz haben, geht es wieder in die Schule, in eine Ausbildung, in den Beruf – oder auch zu einem der Angebote zur beruflichen Orientierung beim Treffpunkt.

„Wir haben gemerkt, dass junge Mütter oft ganz große Schwierigkeiten haben, sich beruflich zu entwickeln. Sie haben ihre Lehre abgebrochen oder sind gleich nach der Schule oder noch vor dem Schulabschluss schwanger geworden. Oder sie haben einen Beruf gelernt, der mit Kind nicht vereinbar ist. Mit MiA (Mütter in Aktion), unserem Angebot zur berufliche Orientierung, vermitteln wir Frauen dann schon in der Kleinkindphase, dass sie für sich selber sorgen und ihr Leben gestalten können“, so Hilde Kugler.
Dazu kam noch ein weiteres Angebot zur beruflichen Orientierung speziell für Migrantinnen, migram.
„Wir haben festgestellt, dass gerade Frauen mit Migrationshintergrund häufig sehr lange mit den Kindern zu Hause sind Und sie werden oft von den klassischen Informationswegen nicht erreicht.“, berichtet Hilde Kugler.

Neben diesen Angeboten gibt es noch viele weitere Angebote beim Treffpunkt e.V. „Wir sind tatsächlich so ein Gemischtwarenladen“, lacht Hilde Kugler. „Aber unsere Angebote haben alle einen inneren Zusammenhang.“ Voraussetzung für diese Vielfalt ist eine neutrale Position, die es dem Team auch ermöglicht, Angebote für Täter und Opfer zu machen. Bedingung ist, dass der Täter Verantwortung übernimmt. „Dann ist Täterarbeit eine der besten Möglichkeiten, um Opfer zu schützen und Wiederholungen zu vermeiden“, ist sich Hilde Kugler sicher.

Informationen zu diesen und weiteren Angeboten des Treffpunkt e.V. finden Sie hier:
Treffpunkt e. V. Nürnberg – Home (treffpunkt-nbg.de)
Juki-online für Kinder und Jugendliche: Startseite – JUKI-online
Netzwerk Kinder von Inhaftierten (KvI) mit Informationen für Fachleute und andere interessierte Erwachsene: www.netzwerk.kvi.de

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