Schwanger und Corona? Unruhige Tage…

von | 31. August 2020 | Eltern werden, Eltern sein, Miteinander leben, streiten, wachsen

In einer Schwangerschaft plagen einen viele kleine und große Sorgen. Dass dies in Coronazeiten unter Umständen noch schlimmer sein würde, war meinem Partner und mir klar. Trotzdem wollten wir uns in unserer Familienplanung von Corona nicht ausbremsen lassen. Zu allen Zeiten kommen bekanntlich Kinder zur Welt, auch in Not, Krieg und Elend. Corona wirkte wie ein händelbares Risiko. Und dann passierte doch etwas. Ich erzähle hier von einer beunruhigenden Erfahrung mit unserem überlasteten Gesundheitssystem.

Anfang August ließ sich mein Vater am Flughafen München nach einer Dienstreise freiwillig auf das Coronavirus testen. Sein Ergebnis sollte er nach zwei bis drei Tagen erhalten. Nach fünf Tagen ohne Ergebnis rief er das Testlabor an – keine Reaktion. Er versuchte es wieder und wieder, auch per E-Mail. Keine Antwort. Schließlich wandte er sich an das bayerische Gesundheitsministerium in der Hoffnung auf Auskunft, auch von dieser Seite bleiernes Schweigen. Erst 13 Tage nach Testung endlich eine Rückmeldung per E-Mail: “Ihr Testergebnis ist positiv, bitte begeben Sie sich umgehend in Quarantäne!“
Mein Vater fiel aus allen Wolken. Er informierte zunächst uns Familienmitglieder, die wir alle als Kontaktpersonen der Kategorie 1 einzustufen waren, also ein hohes Ansteckungsrisiko hatten.

Als er mich anrief, war ich sprachlos – und dann schwer verunsichert. Auf einmal kam mir der vermeintliche Reizhusten, den ich der Klimaanlage angelastet hatte, nicht mehr so harmlos vor. Als ich wieder in der Lage war, klar zu denken, kam die bittere Erkenntnis: Ich bin Kontaktperson 1 einer positiv getesteten Person, zeige Symptome und gehöre wegen meiner Schwangerschaft zur Risikogruppe. Mehr als ein Grund, sich Sorgen zu machen. In den folgenden Stunden wurde diese Sorge zur Panik.

Seit Mittwochvormittag, als mich mein Vater informiert hatte, hing ich durchgehend am Telefon. Gesundheitsamt, Ärzte, ärztlicher Bereitschaftsdienst – überall stieß ich auf taube Ohren, wenn ich überhaupt durchkam. Die meiste Zeit flog ich aus stundenlangen Warteschleifen. Das zuständige Gesundheitsamt war nicht zu erreichen, die städtische Corona-Hotline schmetterte mich mit dem Hinweis ab „Sie müssen warten, bis sich das Gesundheitsamt bei IHNEN meldet.“ Das sagten mir auch mehrere Ärzte, sowie der ärztliche Bereitschaftsdienst. Ich wurde in eine passive Rolle gedrängt, die kaum auszuhalten war.
Mittwoch ging vorbei, niemand rief mich an. Donnerstag kam, wieder rief niemand an. Die Nerven lagen blank.Donnerstagabend versuchte ich erneut mein Glück bei einem Arzt. Nachdem ich meine Situation geschildert hatte, bot er mir sofort einen Testtermin an. Ihm war unbegreiflich, wieso ich so durchs Raster gefallen war. Freitagmittag lies ich mich also auf eigene Faust testen.

Freitagabend rief mich dann das erste Mal ein Gesundheitsamt an – aber nicht jenes, das für mich zuständig war, sondern das aus dem Wohnort meines Vaters. Nach zweieinhalb Tagen der bangen Ungewissheit erhielt ich die Anweisung, mich in Quarantäne zu begeben und abzuwarten, bis sich das für mich zuständige Gesundheitsamt zum weiteren Vorgehen melden würde. Abwarten, abwarten, abwarten – Ich konnte es nicht mehr hören und war unendlich froh, den Test in die eigene Hand genommen zu haben.
Zu meinem Test in Eigenregie nur der irritierte Kommentar des Sachbearbeiters am Telefon: „Eigentlich muss das Gesundheitsamt den Test anweisen.“ Eigentlich – eigentlich hätte in dieser gesamten Geschichte einiges ganz anders laufen sollen. Eigentlich sollte eine infizierte Person nicht erst nach 13 Tagen von ihrem Testergebnis erfahren. Eigentlich sollte eine schwangere Kontaktperson in einem konkreten Verdachtsfall ohne Wenn und Aber sofort einen Test erhalten, unabhängig von vorgeschriebenen behördlichen Protokollen. Eigentlich sollte die Datenübermittlung zwischen den Gesundheitsämtern besser funktionieren. Dann hätte ich eigentlich auch früher von meinem zuständigen Gesundheitsamt gehört. Das rief nämlich am folgenden Dienstag zum allerersten Mal überhaupt bei mir an – 6 Tage, nachdem mein Vater mich als Kontaktperson gemeldet hatte.

Der einzige Lichtblick in diesem Riesenschlamassel ist, dass mein Corona-Test negativ ausfiel! Damit werden auch die restlichen Quarantänetage um Einiges erträglicher.

Hier geht es zu den aktuellen Coronaseiten der Stadt Nürnberg:
https://www.nuernberg.de/internet/stadtportal/coronavirus.html

Schwanger? Junge Eltern in Nürnberg? Hier die Seite der „Frühen Hilfen“:
https://www.nuernberg.de/internet/koordinierende_kinderschutzstelle/

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bildnachweis: Foto Adobe Stock