Der Übergang in den Ruhestand birgt viele Herausforderungen – auch im Hinblick auf die Familie: Für welche Rollen (n) habe ich jetzt mehr Zeit, werde ich Halbtags-Großmutter/-vater mit Betreuungsaufgaben, wie teilen wir unsere Aufgaben in einer Partnerschaft neu auf, will ich mich nachbarschaftlich oder ehrenamtlich in der erweiterten Familie engagieren…?


„Ruhestand im Blick: Den Übergang aus dem Berufsleben gut gestalten…“: Unter dieser Überschrift bietet der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt ein mehrtägiges Seminar für Männer und Frauen an, die in den nächsten Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden.
Wir sprachen darüber mit Hanna Kaltenhäuser, Wissenschaftlicher Referentin beim kda.

Was sind denn, Ihrer Erfahrung nach, Befürchtungen und Hoffnungen, die mit diesem Übergang verbunden werden?

Bei den Teilnehmenden im letzten Seminar war das ganz unterschiedlich. Da gab es welche, die sich ausgelaugt fühlten, unter angespanntem Betriebsklima leiden, häufig krank sind aber noch nicht aufhören können, weil die Rente sonst nicht reicht. Andere haben von sich selbst gesagt, sie arbeiten wahnsinnig gerne und schieben die Rente eher vor sich her. Da gab es einerseits Ängste, ob man es gesundheitlich überhaupt schafft bis zur Rente oder die Befürchtung, dass man danach vereinsamt, nicht mehr gebraucht wird und dass die Impulse von außen ohne Erwerbsarbeit fehlen. Und Vorfreude ist natürlich auch dabei. „Jetzt kann ich mir selber Strukturen geben und mich neu erfinden“, hat ein Teilnehmer gesagt. Ganz wichtig war auch, das Tempo im Ruhestand selbst zu bestimmen und den Alltag ohne Störungen zu leben.

Welche Rolle spielen Partnerschaft und die eigene Familie in den Überlegungen von Menschen, denen der „Einstieg in den beruflichen Ausstieg“ bevorsteht?

Für die Partnerschaft ist das eine Herausforderung. Da ist die Freude darüber, dass beide Partner jetzt mehr Zeit füreinander haben und diese miteinander selbstbestimmt gestalten können. Aber das Neue, Gemeinsame muss erst gefunden werden. Alte Gewohnheiten und Rituale fallen weg und wer in Ruhestand geht, muss sich erst an die neue Rolle gewöhnen. Vielleicht fühlt man sich eingeengt und kontrolliert, wenn viel mehr gemeinsame Zeit miteinander verbracht wird. „Am Ende sitzt man nur noch aufeinander rum“, so hat eine Teilnehmerin ihre diesbezüglichen Befürchtungen ausgedrückt. Viele können sich im Ruhestand stärker in Familienaufgaben einbringen und wollen das auch: Mehr Zeit für Enkelkinder oder für pflegebedürftige Angehörige wurden zum Beispiel im Seminar genannt. Aber auch Aufgaben im Haushalt werden verstärkt übernommen, insbesondere, wenn Partner oder Partnerin noch berufstätig sind.

Fragen, auf die in zwei Seminartagen ein Blick geworfen wird, über die Austausch stattfindet und zu denen konkrete Ideen für eigene Wege entwickelt werden:
https://kda-bayern.de/termin/ruhestand-im-blick-2019/

Mehr über die Angebote des kda in der Gudrunstraße 33, Nürnberg, ist hier nachzulesen:
https://kda-bayern.de

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Bildnachweis: Foto kda Bayern