Ich bin zusammen mit meinem Ex-Mann und meinem ersten Sohn aus dem Ausland nach Deutschland gekommen. Damals war mein Sohn 4 Jahre alt. Ich habe dann hier noch einen zweiten Sohn bekommen. Der Ältere ist jetzt 22 Jahre alt und macht eine Ausbildung. Der Jüngere ist 15 und geht noch in die Schule.

Mein Mann hat hier Deutsch gelernt und war berufstätig. Ich habe zwar auch Deutsch gelernt, war aber meistens zu Hause und habe mich um die Kinder und den Haushalt gekümmert. Heute denke ich, dass in einer Familie Vater und Mutter ihren eigenen Weg gehen sollten. Beide sollten parallel eine Ausbildung machen und arbeiten. Das ist sehr wichtig. Aber damals wusste ich das noch nicht.

Von meinem Ex-Mann habe ich mich vor 8 Jahren getrennt. In den letzten Jahren meiner Ehe hatte ich das Gefühl, dass ich in der Ehe keine sichere Basis habe. Mein Ex-Mann hat sich immer mehr von der Kindererziehung distanziert. Wir hatten da sehr unterschiedliche Einstellungen und es gab viele Probleme. Ich wollte auch gerne eine Ausbildung machen, aber er hat mich da nicht unterstützt.

Ich habe mir dann von verschiedenen Seiten Hilfe geholt. Über die Kita bin ich zu dem Kurs „Mama lernt Deutsch“ gekommen. Die Lehrerin hat mir nicht nur Deutsch beigebracht, sondern ich habe von ihr auch viele wichtige Informationen über das Leben in Deutschland bekommen.

In der Kita bin ich auch zur Erziehungs- und Familienberatung gegangen, die die Stadt Nürnberg dort kostenlos anbietet. Gleich in meiner ersten Beratung habe ich das Gefühl bekommen, dass ich ein Mensch bin, auch wenn ich nicht alles richtig mache und meine Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache habe. Die Beratung habe ich seitdem immer mal wieder in Anspruch genommen. Vieles, was der Berater gesagt hat, habe ich notiert, für mich reflektiert und wie einen Schatz aufbewahrt. Ich habe auch noch die Mappe von dem Kurs „Kinder im Blick“, der mir sehr geholfen hat. Dort habe ich gemerkt, dass ich mit meiner Situation nicht alleine bin.

 

 

Auf meinem Weg zur Berufstätigkeit habe ich viele kleine Schritte gemacht. Zuerst habe ich mich getraut, im Elternbeirat der Kita mitzuarbeiten und dann bekam ich das Angebot, die Ausbildung zur Elternbegleiterin zu machen und als Elternbegleiterin zu arbeiten. Bei der AWO habe ich an einer Berufsberatung teilgenommen und dann die Ausbildung zu Erzieherin begonnen.

Die Ausbildung war für mich sehr hart. Ich habe zwar Sozialhilfe bekommen, musste aber die Schule selber zahlen und neben der Ausbildung noch meine Kinder versorgen. Vieles vom Unterrichtsstoff habe ich im Selbststudium gelernt, aber es gab auch Präsenzwochen in einer anderen Stadt. In der Zeit hat meine Ex-Schwiegermutter die Kinder betreut. Nach zwei Jahre musste ich elf Prüfungen bestehen, alle auf Deutsch. Aber ich habe es geschafft! Und im Berufsanerkennungsjahr musste ich neben 39 Stunden Arbeit zu Hause noch Berichte schreiben und lernen. Doch auch das ging vorbei. Und die Mühe hat sich gelohnt. Nach der Ausbildung habe ich gleich einen Arbeitsplatz bekommen und arbeite seitdem Vollzeit als Erzieherin.

Nach der Trennung und während der Ausbildung war ich oft verzweifelt. Meine Eltern leben nicht in Deutschland und ich hatte damals nur wenige Freundinnen. Da habe ich mich mit meinen Emotionen oft alleine gefühlt. Aber ich habe mir gesagt, ich muss da durch und es kommt auch wieder ein besseres Leben. Durch die Familienberatung habe ich immer wieder Unterstützung und Sicherheit bekommen, auch in meiner Rolle als Mutter. Schön war, dass ich in der Beratung meinen eigenen Weg suchen und finden konnte. Und ich habe erkannt, dass es auf jedem Weg Herausforderungen gibt, egal, wie man sich entscheidet, und dass man manches einfach ausprobieren muss. Und wenn es nicht klappt, sucht man neue Varianten. Das ist das Leben.

Für mich ist es wichtig, immer wieder die Balance zu finden. Es gibt viel Freude und auch traurige Situationen, aber man sollte immer wieder in die Mitte kommen. Und auch wenn die Situation gerade nicht leicht ist, kann man sie ein bisschen verändern und verbessern. Es kommt immer wieder ein neuer Tag mit neuen Kräften und neuen Sichtweisen und es geht weiter. Wichtig ist, sich Hilfe zu suchen und nicht mit seinen Gedanken und Emotionen alleine zu bleiben.

Auch für meine Söhne hat die Situation etwas Gutes gehabt. Wenn ich sie mit Gleichaltrigen vergleiche, sehe ich, dass sie sehr selbständig sind. Und das freut mich.

 

 

Bildnachweis: Adobe Stock, Rawpixel

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