MAKS – für mehr Lebensqualität, trotz Demenz

von | 12. November 2021 | Miteinander leben, streiten, wachsen, Sagen Sie mal…

„Wir haben lange gesucht nach einer Möglichkeit, unseren Bewohnerinnen und Bewohnern in der letzten Phase der Demenz ein Gruppenangebot machen zu können!“, sagt Birgit Gombarek. Sie leitet die Praxis Ergotherapie im Sebastianspital des NürnbergStift.

“In unserem Haus gibt es so viele Gruppenangebote, an denen schwer demente Menschen aber nicht mehr aktiv mitwirken können. Sie haben in der Regel sprachlich stark abgebaut und können sich nicht mehr selbst beschäftigen. Oft fallen sie den anderen in der Gruppe auch unangenehm auf, weil sie zum Beispiel dauernd aufstehen.“

Im Familienblog erzählt Birgit Gombarek von einem Therapiekonzept, das die Pflegeeinrichtung ein Jahr lang im Rahmen einer Studie der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) erprobt hat: MAKS-s.

MAKS-s ist ein Förderprogramm, das speziell für die Bedürfnisse von Menschen mit schwerer Demenz entwickelt wurde – aufbauend auf den positiven Erfahrungen mit der MAKS-Therapie, die an der FAU vor einigen Jahren entwickelt wurde.

Die Buchstaben der Abkürzung stehen für „motorisch“(M), „alltagspraktisch“ (A), „kognitiv (K) und „sozial“(S).

Alle vier Aspekte werden in jeder Therapieeinheit berücksichtigt und nach der Erfahrung des ersten Jahres mit MAKS-s können die Verantwortlichen zufrieden auf die Ergebnisse für die alten Menschen und auch das eingesetzte Betreuungspersonal blicken.

Teams mehrerer Heime waren an der Studie beteiligt, die durch Mitarbeitende von Prof. Elmar Gräßel online geschult und während der Dauer der Studie begleitet wurden.

Im Sebastianspital waren 10 Bewohnerinnen und Bewohner in der letzten Phase der Demenz ausgewählt worden, in Absprache mit deren Angehörigen: „Und die Angehörigen sind in der Regel hellauf begeistert von dem Angebot!“

Zwei geschulte Therapeutinnen begleiteten die jeweils einstündigen Gruppentermine, 3x pro Woche.

Gleichbleibende Rahmenbedingungen sind wichtig, damit die Beteiligten sich auch sicher fühlen können: „Je enger der Rahmen, je kleiner die Gruppe – maximal 6 Teilnehmende – desto besser,“ erläutert Birgit Gombarek, “die Ablenkbarkeit demenzkranker Menschen ist oft sehr groß“. Von Seiten der Therapeutinnen ist es wichtig, dass sie eine wertschätzende Grundhaltung mitbringen, demenzgerecht kommunizieren können, „echt“ sind in ihrer Kommunikation und mit herausforderndem Verhalten gut umgehen können.“

Regelmäßigkeit, ein fester Ablauf und wiederkehrende Rituale prägen jedes Gruppentreffen:

„In den ersten zehn Minuten gibt es zum Beispiel ein gemeinsames Lied oder ein Begrüßungsritual. Nach diesem sozialen Auftakt folgt eine motorische Einheit: Das kann ein Lied sein, das von bestimmten Bewegungsübungen begleitet wird. Igelbällchen, gefüllte Säckchen oder Doppelklöppel kommen hier zum Einsatz.

Beim kognitiven Modul der Therapieeinheit geht es darum, Gedächtnisinhalte spielerisch zu aktivieren. Dabei werden zum Beispiel altbekannte Sprichworte ergänzt, wie: `Es ist noch kein Meister…´, oder `Was du heute kannst besorgen´… .

Eine alltagspraktische Übung folgt danach: Das kann Händewaschen sein, weil manche Demenzkranke nicht mehr selbständig mit Seife und Handtuch umgehen können. Oder das Schneiden einer Banane.“

Nesteldecken kommen zum Einsatz, mit denen Flechten oder Schleife Binden geübt wird. Aber Birgit Gombarek zeigt auch große Schrauben, die zu Muttern passen, welche auf einem Holzklotz befestigt sind: Damit mögen vor allem Männer eine früher vertraute Drehbewegung wieder neu probieren.

„Dieses wiederkehrende Angebot gibt den Teilnehmenden das Gefühl, noch als Mensch, noch als Persönlichkeit gesehen zu werden, die etwas kann und das auch zeigen kann. Sie erleben wieder Beziehungen und profitieren davon in vielerlei Hinsicht“, berichtet Birgit Gombarek.

 

Die Teilnehmenden wurden am Ende der Studienphase mit MAKS-s als zufriedener und aktiver erlebt. Auch das emotionale Erleben wurde merklich verstärkt: „Demenzkranke zeigen ja sonst oft so wenig Ausdruck.“ Apathie und Depression gingen ebenso zurück wie sozial auffälliges Verhalten.

Zu den Studienergebnissen gehört auch, dass Demenzkranke in der letzten Phase mit diesem Therapieprogramm durchaus Inhalte des Altgedächtnisses aktivieren und etwas Neues erlernen können.

Im Sebastianspital waren auch die beteiligten Therapeutinnen voller Freude über diese neue Erfahrung mit Bewohnerinnen und Bewohnern.

Im Moment gibt es zwei Gruppen, die nach dem Konzept MAKS-s arbeiten. Zwei weitere werden folgen und bei Birgit Gombarek liegen die Schulung der Mitarbeiterinnen und das Monitoring.

Hier finden Sie mehr über NürnbergStift: https://www.nuernberg.de/internet/nuernbergstift/
Und folgende Links informieren Sie ausführlicher über die MAKS-Therapie:
https://www.psychiatrie.uk-erlangen.de/med-psychologie-soziologie/maks-s/
https://www.maks-therapie.de/

1 Kommentar

  1. Bravo für eure Bemühungen!

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Bildnachweis: Anestis Aslanidis, Doris Reinecke