Love Lockdown: Heiraten in Corona-Zeiten

von | 5. März 2021 | Miteinander leben, streiten, wachsen

Corona hält uns nun bereits ein Jahr in Atem und hat in dieser Zeit den Großteil aller Events und Veranstaltungen ins Wasser fallen lassen. Lange lagen alle Hoffnungen auf 2021, dem Jahr, in dem alles nachgeholt werden sollte. Doch bereits zu Beginn dieses Jahres zeichnet sich ab, dass auch das neue Jahr noch zu weiten Teilen im Zeichen der Pandemie stehen wird.

Als wir im Sommer 2020, einer Zeit vorübergehender Corona-Abflachung mit einsetzendem „das Gröbste ist geschafft“-Gefühl, begannen unsere Hochzeit zu planen, wollte niemand von uns an die prognostizierte zweite Welle glauben. Die Warnungen für Herbst und Winter hielten uns also nicht davon ab, unsere standesamtliche Trauung für Ende Januar 2021 anzusetzen. Eine kleine Trauung mit den engsten Dreißig Angehörigen und Freunden mit anschließendem Essen in einem nahegelegenen Gasthof, was sollte da schon schief gehen? Einiges, wie sich bald herausstellte.

Bei der Anmeldung der Eheschließung im Spätsommer waren neben dem Brautpaar, dem Standesbeamten und einem Fotografen elf weitere Gäste im Trausaal zugelassen. Wir feilschten und diskutierten, wer unserer Angehörigen zu dieser kleinen Gruppe gehören sollte, und wer vor der Tür des Rathauses warten müsste. Kaum hatten wir uns geeinigt, schaltete die Corona-Ampel im Ort unserer Trauung auf Rot. In der Folge waren nur noch sieben Gäste gestattet. Erneuertes Feilschen um die Reduzierung der Gästezahl. Wenige Wochen und einen zweiten Lockdown später war klar: Jeder von uns konnte einen Trauzeugen mitbringen, alle restlichen Gäste mussten draußen bleiben. Auch die Idee eines gemeinsamen Essens im Nachgang war angesichts geschlossener Gastronomie mittlerweile geplatzt. Als Alternative überlegten wir uns ein aufwändiges „2-Haushalte-konformes“ Rotationsmodell in der heimischen Küche, bei dem wir in kleinen Zeitfenstern den engsten Gästen nach einander ein Stückchen Kuchen und einen Sekt anbieten wollten. Doch auch diese Vision platzte spätestens mit der 15-Kilometer- und der Ein-Personen-Regel. Zudem hatten die Infektionszahlen mittlerweile ein Niveau erreicht, das in unseren Augen jede weitere Planung unvernünftig wirken ließ. Wir sahen es endgültig ein: Diese Hochzeit würden wir alleine feiern.

Da in den letzten zwei Wochen vor der Trauung noch einige Entscheidungen zu den Corona-Maßnahmen der Politik anstanden, hielten wir nun immer mehr die Luft an, ob am Ende nicht die Trauung selbst von Seiten des Standesamtes abgesagt werden würde. Doch so weit kam es glücklicherweise nicht. Heiraten ist und bleibt nun mal einer dieser sagenumwobenen triftigen Gründe, die einen auch in den härtesten Pandemiezeiten ein kleines bisschen Normalität ermöglichen. Die letzte E-Mail des Standesamtes wenige Tage vor der Trauung informierte uns lediglich über die nun herrschende FFP2-Maskenpflicht auf den Fluren des Rathauses.

 

Und trotz aller Umstände dieser Corona-Hochzeit, den zahlreichen Umplanungen, die letztendlich alle ins Leere liefen, war es für uns ein wahnsinnig schöner Tag. Dank eines technikaffinen Schwagers und eines sehr kooperativen Standesbeamten konnten unsere Familien und Freunde per Live-Stream an der Trauung teilnehmen. Der engste Familienkreis ließ es sich trotz eisiger Temperaturen auch nicht nehmen vor dem Rathaus auf uns zu warten und uns mit gebührendem Abstand zu zuprosten. Und die Hochzeitsbilder mit FFP2-Masken werden in einigen Jahren sicherlich gute Geschichten für unsere Kinder und Enkel abgeben – und womöglich sogar eine gewisse Nostalgie auslösen.

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Bildnachweis: Foto Rolf Kaltenegger, Foto R Kaltenegger