Leben in einer Großfamilie

von | 22. Oktober 2018 | Miteinander leben, streiten, wachsen, Sagen Sie mal…

 

Wenn viele große und kleine Menschen in einer Familie miteinander leben, kann das schon ganz schön turbulent werden. Wie es gelingt, trotzdem den Überblick zu bewahren und Spaß miteinander zu haben, davon berichten Manuela (47) und Luis (13). Zu ihrer Familie gehören Uwe (52), Aaron (19), Katja (18), Adam (17) und Moritz (8). Lisa (25) wohnt zwar schon in ihrer eigenen Wohnung, zählt aber natürlich auch noch zur Familie. Und die Oma ist auch öfter mal dabei.

Was ist das Schöne am Leben in einer Großfamilie?

Luis: Man hat viele Geschwister, und wenn man sich alleine fühlt, kann man mit ihnen spielen. Oder wenn die Freunde keine Zeit haben, kann man mit ihnen rausgehen. Und sie helfen einem bei den Hausaufgaben.

Manuela: Ich finde auch, dass das Schöne ist, dass man eigentlich immer jemanden hat, egal, ob für ein Gesprächsthema oder eine Unternehmung. Schön ist auch, dass der eine auf den anderen achtgeben kann und die Kinder nicht so an uns Eltern hängen, weil sie sich ja schon untereinander austauschen. Und ich mag auch die unterschiedlichen Charaktere. Da sieht man, wie viele Individuen so eine einzelne Familie hervorbringt. Überhaupt empfinde ich meine Kinder als Geschenk. Ich finde es schade, dass gerade die Deutschen oft erst dann eine Familie gründen, wenn wirklich alles passt, und dabei auch so auf das Geld schauen. Bei ausländischen Familien gehören die Kinder eher ganz selbstverständlich zum Leben dazu

Und was sind die größten Herausforderungen? Was nervt auch mal?

Luis: Also, ich hatte mehrere Jahre mit meinem kleinen Bruder ein Zimmer. Und der größte Stress war: Du hast das Zimmer aufgeräumt, bist in die Schule gegangen, und dann kamst du wieder und dann war das ganze Zimmer unordentlich. Und dann hieß es „Jetzt räum mal wieder das Zimmer auf“. Und dann warst du im Stress und musstest auch noch Hausaufgaben machen, für die Schule lernen, oder du hast einfach erst mal etwas Zeit gebraucht, um nach der Schule wieder runterzufahren.

Manuela: Für mich ist eine große Herausforderung, alles unter einen Hut zu bringen, Essen, Haushalt, Arzttermine und besonders die schulischen Sachen. Und ich möchte natürlich auch jedem Einzelnen gerecht werden. Aber ich glaube, in unserer Familie hat niemand den Eindruck, zu kurz zu kommen.

Die größte Herausforderung ist die Schule. Einmal habe ich bei Schulbeginn zwei Tage lang nur Bücher eingebunden habe, das waren 50 Stück. Und wenn man fünf schulpflichtige Kinder hat, muss man ja nicht nur Hefte kaufen, sondern es sind auch fünfmal Kosten für Gebühren, Schulfahrten, Ausflüge und Projekttage.

Luis: Wenn wir für Englisch ein Work-Book kaufen müssen, dann versuche ich auch immer, ein bisschen was dazu zu zahlen. Meine Mutter sagt immer „Nein, das musst du nicht“, aber ich möchte nicht, dass ich zu teuer bin. Ich versuche halt immer, günstig zu bleiben

Habt Ihr Tipps, wie man das Leben in einer Großfamilie gut meistern kann?

Manuela: Wichtig ist, dass man sich immer einen guten Zeitplan macht und dann alles strukturiert abarbeitet. Ich lasse mir auch von den Älteren helfen, zum Beispiel beim Wäschewaschen oder Putzen. Da muss es einem natürlich auch egal sein, wie dann die Wäsche zusammengelegt wird, oder dass das Bad mal nicht so geputzt ist, wie man sich das vorstellt.

Luis: Ich helfe manchmal beim Essen machen, Zwiebeln schneiden oder Gemüse schnippeln, oder räume mal die Küche auf.

Manuela: Bei den Terminen sind mein Mann und ich sehr gut über unsere Handys vernetzt. Wir geben alle Termine ein und lassen uns dann daran erinnern. Die Kinder können wir alle über Whatsapp erreichen. Und wir haben einen guten Zahnarzt, der uns alle nacheinander drannimmt. Da ist dann anderthalb Stunden die Praxis nur mit uns voll, aber dann sind wir damit wieder durch.

Ansonsten machen wir einfach etwas Schönes, das wenig Geld kostet, und schätzen auch die kleinen Dinge, die Spaß machen. Es gibt zum Beispiel Tage der offenen Tür, da kann man so viele Sachen kennenlernen. Klar können wir im Urlaub nicht in ein Hotel mit Vollpension gehen oder weit weg fliegen, aber wir fahren dann eben nach Österreich und kaufen da im Supermarkt etwas Besonderes zum Essen oder eine riesige Schüssel mit Eis, die es zu Hause nicht gibt

Gab es auch schon mal lustige Situationen mit so einer großen Familie?

Manuela: Ich finde es schon lustig, wie ungläubig oder geschockt die Leute manchmal geguckt haben, als die Kinder noch kleiner waren und wir mit der ganzen Familie irgendwo waren. Damals sind wir mal mit unserem alten Auto in den Urlaub gefahren und als wir ausgestiegen sind, war da eine Frau, die hat ganz ungläubig geschaut und gemeint „Das hört ja gar nicht mehr auf“.

Luis: Früher in unserem alten Haus hatten wir mal einen Igel und den haben wir dann in eine Schale gesetzt und dann haben wir ihm was zu essen gegeben und er hat so süß geschmatzt. Das fanden wir alle lustig.

 

Verband kinderreicher Familien Deutschlands: https://www.kinderreichefamilien.de/willkommen.html

https://www.kinderreichefamilien.de/pressemitteilungen/articles/verband-kinderreicher-familien-begruesst-neue-familienkartenregelung-der-stadt-nuernberg.html

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Bildnachweis: A.Aslanidis