Junges Paar und coronabedingte Zweisamkeit

von | 1. Mai 2020 | Miteinander leben, streiten, wachsen

Während die Distanz zu den meisten Menschen wegen Corona zunimmt, sind einem wenige Personen so nah wie nie: Diejenigen, mit denen man zusammen in einem Haushalt lebt. Zumeist hat man sich diese Personen ausgesucht und freut sich, sie in schwierigen Zeiten an seiner Seite zu haben. So ging es auch meinem Partner und mir. Seit einem Jahr leben wir gemeinsam mit unserem Hund in einer Drei-Zimmer-Wohnung, an der zu unserem großen Glück auch ein kleiner Garten hängt. Eine Zuflucht im Freien, aus unserer Sicht der größte Luxus in Corona-Zeiten. Trotz dieser guten Ausgangsvoraussetzungen gilt für uns wie für alle anderen Paare: Bei überdurchschnittlich viel gemeinsamer Zeit innerhalb eines begrenzten Radius lernt man viel über einander und die eigene Beziehung. Diese Zeit hat Höhen und Tiefen – und ist in jedem Fall sehr intensiv.

Vor Corona haben wir versucht nach der 2-2-2-Regel zu leben, um ausreichend Zeit füreinander zu finden: Alle zwei Wochen ein Date, alle zwei Monate ein kleiner gemeinsamer Ausflug, alle zwei Jahre ein großer Urlaub. Trotz aller Mühen war es angesichts übervoller Terminkalender nicht immer möglich, sich daran zu halten. Wenn wir nicht zusammengelebt hätten, wären wir uns in manchen Wochen wohl gar nicht begegnet. Mit Corona hat sich die Situation ins Gegenteil verkehrt: Hobbies und Veranstaltungen sind abgesagt, Treffen mit Freunden und Familie nicht mehr möglich, beide im Homeoffice, beide daheim – so gut wie immer. Eine ganz neue Situation mit ungewohnten Reibungspunkten, auf die man sich erst einmal einstellen muss. Zum Glück haben wir beide schon vor Corona großes Verständnis für die Freiräume des anderen gehabt. So fiel es uns in der neuen Situation nicht schwer, dem anderen diese Freiräume auch weiterhin zuzugestehen. Das wichtigste daran ist, es nicht persönlich zu nehmen, wenn der andere Zeit für sich braucht. Jeder ist mal genervt, nicht zwangsläufig vom anderen. Corona strapaziert die Nerven, das haben wir mittlerweile wohl alle das ein oder andere Mal feststellen müssen. Im Zweifelsfall sollte man deshalb dem Partner gegenüber auch mal beide Augen zu drücken. In meinem Fall, wenn die Wäsche in der Maschine vergessen wird. In seinem Fall, wenn die Kaffeetasse mal wieder mit Restschluck im Badezimmer stehen bleibt.

Routine hilft, den Corona-Alltag zu überstehen – auch Paaren. Wir haben uns neue Routinen geschaffen, die zuvor aus Zeitmangel so nicht möglich waren. Zum Beispiel gehen wir jetzt immer zusammen einkaufen, zurzeit ein Highlight des Alltags für sehr viele Menschen. Auch haben wir den Sport wieder für uns entdeckt, den man sich ja sehr oft vornimmt, aber irgendwie nie macht. Unsere Rudermaschine (der Alibi-Heimtrainer, den jeder schon einmal in irgendeiner Weise besessen hat) wurde im gesamten vergangenen Jahr nicht so häufig benutzt, wie in den letzten Wochen. Auch wenn die Strandfigur dieses Jahr irrelevant werden könnte, hilft die Bewegung im Hinblick auf die ganzen Corona-Festmahle, die aktuell in unserer Küche zubereitet werden. Das gilt ebenso für die tollste neue Routine, die viele wieder für sich entdeckt haben und die auch ich am meisten schätze: Gemeinsam spazieren gehen. Dank des tollen Wetters der letzten Tage ist es wirklich schön, das eigene Viertel für sich zu entdecken.

Am meisten freut sich darüber mit Sicherheit unser Hund – er fand es sowieso von Anfang an prima, dass jetzt immer jemand zu Hause ist.

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Bildnachweis: Foto Rawpixel, Foto Julia Schultze