„Was ist eigentlich die MuKi-Gruppe, ist das eine Sekte oder so?“ hatte mein Sohn mal gefragt, da war er etwa 12 Jahre alt und ich musste lachen.
Nein, die MuKi-Gruppe war keine Sekte, aber ihm erschloss sich nicht, was denn diese so unterschiedlichen Frauen verband, mit denen seine Mutter befreundet war und die sich regelmäßig trafen.

Dabei hatte er die Anfänge live miterlebt, als Baby, aber daran konnte er sich natürlich nicht mehr erinnern:
Die MuKi-Gruppe war eine Mutter-Kind-Gruppe, entstanden aus einem Kurs „Leben mit neugeborenem Kind“. Er wurde vom Zentrum Kobergerstraße angeboten, einer der zahlreichen Familienbildungsstätten in Nürnberg.
Daraus hatten sich Freundschaften entwickelt, die 3 Jahrzehnte später noch existieren.

Das war ein Kurs, bei dem sich Mütter und Babys 8x am Montagvormittag trafen und sich auf Decken und Kissen im Kreis niederließen. Es pünktlich zu schaffen, im Kursraum zu sein, voll angezogen und gekämmt, das Baby versorgt, nichts daheim vergessen… allein das war für mich damals schon eine Leistung, denn mein Kind ließ mir nachts wenig Zeit, tief zu schlafen und die Verlockung war groß, im Laufe des Tages den versäumten Schlummer nachzuholen, wann immer es ging.

Jedes Mal gab es ein Thema, über das gesprochen wurde (aber Keine war verpflichtet, sich einzubringen). Was hat sich für uns als Elternpaar verändert? Wie sorgen wir für uns selber? Welche Rolle spielen Großeltern für uns? Es gab kleine Entspannungsübungen für die Mamas und Empfehlungen für den Umgang mit dem Kind.
Jahre später saßen wir, die „MuKis“, einige der früheren Kursteilnehmerinnen, gemeinsam beim Chinesen und schwärmten noch von der ruhigen Zuversicht, die Margie, unsere Kursleiterin, ausstrahlte!

Es gelang ihr, Frauen miteinander in Kontakt zu bringen, die sich außerhalb des Gruppenraumes vielleicht nie begegnet und ins Gespräch gekommen wären: Wir waren zwischen Anfang 20 und Mitte 30, von der Floristin bis zur Sozialpädagogin, wohnten in Vorort-Siedlungshäusern und Altstadtwohnungen, in ganz unterschiedlichen Vorstellungen von Familie.

Die Jüngste von uns heiratete mit weißer Kutsche und allem Pipapo, während eine andere mit dem Baby-Blues kämpfte und eine dritte mit einem handfesten Ehekrach. Montags in der MuKi-Gruppe war Gelegenheit, ein durchzuschnaufen und wohlig wahrzunehmen, dass es auch andere junge Mütter mit ähnlichen oder ganz anderen Erfahrungen gibt. Das half, selbstsicherer in der neuen Rolle zu werden.

Der Kurs war vorbei und ein paar von uns hätten sich gern weiterhin getroffen, was im Zentrum Kobergerstraße nicht möglich war. Das haben wir dann, zunächst in zweiwöchentlichen, später größeren Abständen, privat organisiert, zwischen Geschirrbergen in Altbauküchen, an schön gedeckten Kaffeetischen oder im frisch bezogenen Eigenheim.
Wir verbrachten mal einen Sommervormittag miteinander am Rothsee oder am Kinderbecken im Nordostbad. Wir unterstützten uns gegenseitig beim Babysitten.

Als die Kids im Kleinkindalter waren, fuhren wir auch mal gemeinsam in eine Pension mit Ponyhof, übernachteten dort und organisierten Bobbycar- Rennen auf einer stillen Landstraße.

Je älter die Kinder wurden, desto klarer war, dass die Kinder – so unterschiedlich wie ihre Mütter – nicht viel miteinander anfangen konnten oder wollten. Dann gingen wir dazu über, uns lieber am Abend, ohne sie, zu treffen.
Die Eine zog weg in ein anderes Bundesland, die Andere ging mit ihrem amerikanischen Ehemann und Kind in die USA.
Wir blieben drei „MuKis“, die heute noch in Kontakt miteinander sind.
Ehen gingen auseinander, Ehen wurden neu geschlossen. Feste miteinander gefeiert und Kindes-Entwicklungen miteinander diskutiert. Gartentipps und Rezepte ausgetauscht. Wir erzählten aus unseren völlig unterschiedlichen Berufswelten.

Die „Neugeborenen“ von damals sind heute 30, sind Handwerksmeister, arbeiten im Hotel und in der Informatik, sie und ihre Geschwister sind verteilt in Franken und in Europa.

Nicht, dass wir Frauen die dicksten Freundinnen sind. Nicht, dass immer alles harmonisch lief! Ich erinnere mich noch, wie ich vor Jahren zornig und gekränkt ein Restaurant verließ, weil Annette mir unverblümt ihre Meinung über meine Erziehungsansichten gesagt hatte.
Aber Christine hat vor einer Weile mal schön zusammengefasst, was wir „MuKis“ für sie bedeuten: „Ich war damals ziemlich neu in Nürnberg. Nach kurzer Zeit schon wegen des Babys aus dem Beruf raus und deswegen viel allein daheim. Ihr wart für mich die erste Gelegenheit, mit Frauen Freundschaft zu schließen, in einer ganz wichtigen Lebensphase. Das vergisst man nicht.“

Nein, eine MuKi-Gruppe ist keine „Sekte“!
Aber, ihr merkt es schon: Ich möchte gern dafür werben, die Babyzeit zu nutzen, um andere Mütter kennen zu lernen. Es könnte eine wärmende, gewinnbringende Erfahrung werden!

Hier gibt es Hinweise auf Treffpunkte für Eltern:
http://www.familienbildung.nuernberg.de

 

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