#Instamoms – Zwischen Kritik und Community

von | 8. Januar 2021 | Eltern werden, Eltern sein

Soziale Medien spielen in unserem Leben eine wichtige Rolle. Während sich die Jüngsten auf TikTok bespaßen lassen und die Babyboomer am liebsten auf Facebook unterwegs sind, tummelt sich Generation Y vor allem auf Instagram. Facebook ist mittlerweile bekannt für seine schroffen Kommentarspalten, doch Instagram gilt weiterhin als kleines Paradies des Zuspruchs, der schönen Dinge des Lebens. Eins dieser Dinge ist für viele Nutzerinnen die Geburt des eigenen Kindes und – in weiten Teilen – die neue Identität als Mutter. Doch im Umgang mit Müttern ist auch auf dem eher harmoniebedürftigen Instagram eine problematische Entwicklung zu beobachten. Kurz gesagt: Wie Frau es macht, sie macht es verkehrt – und steht nicht selten im Hagel der Kritik. Dies trifft nicht nur Prominente mit hoher Reichweite, sondern auch ganz normale Frauen mit überschaubaren Followerzahlen.

 

 

Einige Beispiele für das von der Netzgemeinde diagnostiziertes Fehlverhalten junger Mütter: Es ist falsch und gefährlich, das Gesicht des Nachwuchses im Netz zu zeigen, aber es ist auch wirklich nicht hübsch anzusehen, wenn das Kind ständig nur von hinten zu sehen ist oder im schlimmsten Fall das Gesicht auf Fotos unkenntlich gemacht wurde. Fast ein wenig schlimmer ist es, nach der Geburt zu schnell Gewicht zu verlieren und sich schon nach wenigen Wochen wieder in alter Form zu präsentieren. Hat man jedoch längerfristig mit Babypfunden zu kämpfen, dann sollte man sich als Frau besser auch mal seine Gedanken machen. Unförmigkeit mag schließlich niemand.

 


Wie steht es zudem um die Ausstattung des Kindes? Es trägt stets nur vollgekleckerte Strampler? Die Mutter hätte sich mal lieber vorher überlegt, ob sie sich ein Kind überhaupt leisten möchte. Aber ein 1000€ Kinderwagen und Nike Air Max für einen Säugling? Wem will diese Mutter etwas beweisen, die hat doch einen Minderwertigkeitskomplex. Woher hat sie überhaupt das Geld? Naja, Frau hat ja einige Monate lang ihre Elternzeit samt Elterngeld genossen. Anschließend stellt sich dann die Frage, ob, wann und wie viel sie wieder arbeiten geht. Eine Frau, die wieder arbeitet ist eindeutig eine Rabenmutter, wieso hat sie überhaupt ein Kind bekommen? Geht sie aber nicht wieder arbeiten, ist sie sicherlich ein Heimchen am Herd. Emanzipation geht aber auch wirklich anders.

 

 

Lange habe ich mir dieses bunte Treiben in den Kommentarspalten der Instagramseiten von Frauen angesehen, die ihre Mutterschaft als Teil ihres Lebens dort präsentieren. Womöglich hätte mich das Thema nicht so sehr beschäftigt, wäre ich nicht Zeugin davon geworden, wie eine Schulkameradin von mir angefeindet wurde. Sie ist alleinerziehende Mutter und hat vor wenigen Monaten ihren sieben Jahre alten Sohn an eine seltene Krankheit verloren. Ein Schicksal, so schlimm, dass es kaum zu ertragen ist. Und trotzdem wurde sie für so gut wie jede Entscheidung, die sie traf, massiv angefeindet. Nachdem ihr eine andere Mutter, die ebenfalls ein Kind verloren hatte, zuletzt vorwarf, sie würde zu lange für die Verarbeitung des Verlusts brauchen und solle sich doch nun langsam mal wieder zusammenreißen, verabschiedete sie sich erstmal aus den sozialen Medien. Für mich ein absolut nachvollziehbarer Schritt. Man kann das Verhalten von Müttern auf Instagram und Co. gutheißen oder nicht, doch am Ende sollte stets gelten: Leben und leben lassen. Im Zweifelsfall sollte die Tastatur schweigen.

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