Hilfe, mein Kind kann nicht verlieren!

von | 1. November 2021 | Eltern werden, Eltern sein, Freizeit!!!, Miteinander leben, streiten, wachsen

„Es ist doch nur ein Spiel.“ – „Das Leben ist kein Pony-Hof.“ – „Haltung bitte!“ – Wenn Kinder verlieren ist guter Rat gefragt. Es ist nicht einfach. Verlieren ist ein harter Brocken und kann richtig weh tun. Tränen und Dramen folgen oft, da fliegt schon mal das Spiel vom Tisch… Ja, gewinnen ist Klasse, verlieren macht weniger Spaß.

Wann wird einem Kind bewusst, dass es gewinnt oder verliert?

Mit ca. drei Jahren. Dabei unterscheidet das Kind nicht zwischen Spiel und Ernst; als Verlierer sieht sich auch der, dem ein anderes Kind die Schaufel wegnimmt.

Verlieren! Wie lernt man das?

Grundsätzlich gilt: vor allem Kinder reagieren unterschiedlich auf Verlustsituationen. Helfen kann, sich freiwillig in Spiel-Situationen bringen, bei denen man naturgemäß oft verliert, z.B. bei Würfel- und Kartenspielen mit großem Glücksfaktor; sie erlauben, die persönliche Niederlage auf das „unverschuldete“ Pech zu schieben. Durch Training im Umgang mit eigenem Frust lernt man Geduld und Gelassenheit im Umgang mit sich und anderen; Ärger nutzt sich auch ab beim häufigen Erleben von Looser- oder Ohnmachts-Situationen.

„Mein Kind ist ein Spielverderber: Immer Drama!“

Verlieren wird, altersunabhängig, als Demütigung empfunden. Sich zu ärgern ist normal. Es können aber auch Wutausbrüche entstehen. Schimpfen oder Auslachen verschärft die Situation. Hier können Spielpausen entspannen, verbunden mit der Einladung, kurzzeitig passiv mitzuspielen durch Zuschauen.
Dabei hilft dem Kind eine neue Aufgabe: „Sei doch unser Schiedsrichter! Achte auf die Einhaltung der Spielregeln!“.

Wie verringert man das Wut- & Ärger Potential?

Indem man „teilt“, d.h. Teams bildet! So darf das Kind mit Papa oder Mama gemeinsam als Zweier-Team spielen. Das hilft Schwer-Verlierern, denn zu zweit verliert sich`s leichter, das Kind ist nicht alleine. „Stark wie Zwei“: Lasten tragen sich im Team leichter.

Ziele ändern?

Wer unbedingt immer und unter allen Umständen gewinnen will, tut sich oft besonders schwer und verliert gerne die spielerische Leichtigkeit. Alternative Ziele entspannen das Kind: „Jonas, werde einfach nicht Letzter“ – „Martha, Hauptsache wird sind zusammen und spielen: der Weg ist unser Ziel!“ – „Dies ist erst mal nur ein Test-Spiel, um die Regeln kennenzulernen!“.

Sollten Eltern ihre Kinder gewinnen lassen?

Nein. Kinder könnten sich sonst leicht überschätzen. Ein gewünschter Lerneffekt, nämlich dass Niederlagen & Frustrationen zum Leben gehören und der Umgang mit ihnen eine Kern-Kompetenz ist, bliebe auch aus. Falls das Schummeln zu ihren Gunsten durchschaut wird, fühlen sich die Kids erst recht nicht mehr ernst genommen. Erwachsene sollten ein gutes Vorbild sein. Das schließt Betrug und Falschspielen aus. Wichtiger als Falschspiel ist es, dem Kind beizubringen, dass Niederlagen ein Ansporn und die Voraussetzung für spätere Siege sind, weil man aus Fehlern lernen kann. Whatever it takes: Fairplay!

 
Was hilft den kleinen Verlierern?

Ärger zulassen. – Atemtechniken anbieten: das beruhigt. – Kräftig gemeinsam auf die Spielfiguren/Würfel schimpfen. – Loben, wenn sich Verlierer fair verhalten. – Einfachere Spielregeln aushandeln. – Nicht zu oft aggressive Rauswurf-Spiele spielen (Mensch ärgere dich nicht, Monopoly). – Zwischendurch kooperative Spiele spielen, bei denen das Miteinander im Vordergrund steht. – Dem Kind erlauben, selbst sein Wunsch-Spiel auszuwählen. – Spiele machen, bei denen auch Kinder echte Gewinnchancen haben. – Übertriebenes Verhätscheln macht eher schwach als stark. – Kreative Spiele einsetzen, z.B. Bauspiele; damit sammelt man Seelen-Proviant! Denn wer den Frust aushalten kann, wenn z.B. der selbst gebaute Turm einkracht, ist auch innerlich stark für ein Spiel, bei dem es um` s Gewinnen geht. – Nicht zulassen, dass Geschwister den Verlierer auslachen.

 

 

 

 
Was sagt man den kleinen Verlierern?

Niederlagen sollten ins Weltbild der Kinder eingebaut werden und deshalb mit Gesprächen begleitet werden. Bleiben Sie geduldig. Reagieren Sie gelassen. Trösten Sie Ihr Kind (angemessen), wenn es das gerade braucht. Signalisieren Sie Verständnis. Werden Sie nicht ironisch oder nachtragend. Je normaler Sie selbst mit Gewinnen oder Verlieren umgehen, desto besser für Ihr Kind! „Mit dir spiele ich nie wieder!“ ist eine harte Aussage und nicht hilfreich. Wenn unter Tränen geschnieft wird: „Ich bin doch nur ein Verlierer“, können diese Antworten besser helfen:

  • „Es ist nicht schön zu verlieren. Ich verstehe das!“
  • „Nur einer kann gewinnen. Es ist normal, das man mal verliert.“
  • „Du kriegst gleich eine neue Chance: Neues Spiel, neues Glück!“
  • „Mit Geld umgehen, einen Streit schlichten, mit Niederlagen umgehen: das alles muss man lernen. Schritt für Schritt. Immer wieder neu.“
  • „Ich merke, dass es dich jetzt ganz schön ärgert, verloren zu haben.“

Erziehungskünste sind gefragt. Viel hängt davon ab, wie unsere Kleinen später einmal, im richtigen Leben, mit Niederlagen umgehen werden. Werden sie Resilienz entwickeln? Geduld? Selbstbeherrschung? Willensstärke? Hier sind Spiele ein wichtiges Lernfeld. Verlieren lernen ist das eigentliche und vielleicht größte „Spiel“ beim Spielen. Wer lächelnd verlieren kann, hat wahrhaft gewonnen! Dieses große Ziel gibt Mut und motiviert, um mit Niederlagen umzugehen.

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