Es ist noch gar nicht so lange her, da stand ich dem aus den USA herüberschwappenden Halloween-Trend skeptisch gegenüber. Mir war das alles zu kommerziell aufgeblasen. Plötzlich gab es überall Plastikdekoration und der Einzelhandel überschlug sich fast mit dazu passenden Produktverpackungen.

Drei oder vier Jahre in Folge klingelte jedes Jahr ein kleines Grüppchen Kinder an unserer Tür. Mein Sohn und ich waren jedes Mal unkostümiert, rückten aber dennoch immer gern ein paar Süßigkeiten heraus. Im letzten Jahr verwandelten wir uns kurz entschlossen in Vampire, um die Bande endlich einmal gebührend zu empfangen. Diesmal klingelte niemand. Ein kleiner Vampir, der nicht zum Einsatz kommt, ist eine traurige Sache. Dieser Abend war für uns beide so frustrierend, dass wir trotzig beschlossen, im Herbst 2019 unsere eigene Halloween Party zu schmeißen!

Wenn ich so recht darüber nachdenke, finde ich inzwischen doch Gefallen daran, für ein paar Stunden in die Rolle der Schurken und Monster zu schlüpfen. In unserer Welt gibt es so Vieles, das uns Angst macht. Unsere Kinder lernen schon früh die moralischen Gegebenheiten unserer Gesellschaft zu verstehen und sich nach ihnen zu richten. Was ist mit all den Schatten, die wir in uns tragen und die wir niemandem zeigen? Wer sagt denn eigentlich, dass wir uns dem Wegwerftrend unterwerfen müssen? Wieso nicht die Kostüme einfach selbst basteln, die Spiele selbst erfinden, lauter Kinder einladen und eine wilde Party feiern? Hier sind einige Beispiele:

Der Zombietanz:

Keine Party ohne die passende Musik! Im Internet findet sich unter dem Suchbegriff „Halloween Kids“ die passende Gruselplaylist für jeden Geschmack. Ähnlich wie beim Stop-Tanz braucht es für dieses Spiel eine Moderatorin oder einen Moderator für die Anweisungen. „Tanze wie ein Zombi!“ (danach wie ein Vampir, wie eine Spinne, wie ein Gespenst, zu zweit, bildet ein Netz, eine Maschine, einen Schleim… Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt!) Auf das Kommando „einfrieren!“ müssen alle anhalten und in der aktuellen Position verharren. Wer sich als letzter noch bewegt, scheidet aus.

Die Geisterbahn:

Achtung, jetzt wird es schaurig! Dieses Abenteuer ist wohl eher etwas für Schulkinder. Ein Zimmer (vielleicht eine Kammer) wird zur Geisterbahn. Die Kinder dürfen immer nur einzeln hinein. Sie werden vor der Tür abgeholt und erst mit verbundenen Augen in den Raum geführt. Blind durchlaufen sie verschiedene Stationen, an denen sie Gegenstände zum Fühlen bekommen. Eine aufgetaute Fritte verwandelt sich mit der richtigen Beschreibung in den schaurigen, abgetrennten Finger eines Diebes, ein Stück Plüsch im Pappkarton ist der Rücken einer Riesenspinne. Ein gekochtes, geschältes Ei wird zum Augapfel und eine Schüssel frisches, warmes Blut ist natürlich nur mit warmem Leitungswasser gefüllt. Playlists mit echten Gruselgeräuschen gibt es ebenfalls im Internet. Damit wird die Atmosphäre noch zusätzlich aufgeladen. Die Auflösung gibt es natürlich erst, wenn alle Kinder den Parcours durchlaufen haben.

Meine Jungs haben die erste Halloween Party des Jahres schon gefeiert und wissen jetzt, mit welchem Blick sie den Leuten einen Schauer über den Rücken jagen können. Da muss ich mich wohl ranhalten. Aber ich habe da schon so eine Idee…

 

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Bildnachweis: Stephanie Mehnert, Rawpixel