Gut ankommen in der Krippe – eine Erzieherin gibt Tipps

von | 16. August 2021 | Eltern werden, Eltern sein, Miteinander leben, streiten, wachsen

Viele Eltern erleben den Start der Eingewöhnung in der Kita zum ersten Mal und sind vielleicht etwas aufgeregt. Andere Familien haben bereits Routine, weil sie das ältere Geschwisterkind bereits eingewöhnt haben und die Abläufe bereits kennen.

In den Einrichtungen kursieren die verschiedensten Eingewöhnungskonzepte. Teilweise herrscht im Austausch unter Eltern etwas Unsicherheit welches denn am meisten Sinn macht und manchmal wird auch kategorisiert in „das ist schlecht“ und „das ist gut“.

Ich persönlich betrachte diese Bewertungen etwas offener und denke, dass jedes Konzept ein Für und Wider mit sich bringt. Es ist darüber hinaus ein gewaltiger Unterschied, ob Ihr eine Eingewöhnung im Kleinkindalter oder im Kindergartenalter begleitet. Das einzig wahre, maßgeschneiderte Eingewöhnungskonzept wird es nicht geben.

Jedoch gibt es während der Eingewöhnungszeit, völlig unabhängig davon in welchem Bereich, ein paar wesentliche Punkte zu beachten, die ich wichtig finde im Blick zu haben. Hierbei möchte ich Euch aufzeigen, welche Faktoren im Umfeld eines Kindes den ein oder anderen Holperstein mit sich bringen können und wie Ihr dem Ganzen entweder präventiv oder während dieser Phase eine möglichst entspannte Zeit für Euer Kind und Euch selbst schaffen könnt.

Es dreht sich bei einer Eingewöhnung in einer Gemeinsschaftseinrichtung nicht nur allein um deren Abläufe und Strukturen, sondern wesentlich sind dabei auch die Abläufe und Rituale daheim und in der privaten Umgebung zu beleuchten. Hier zähle ich einige Faktoren auf, die erst einmal zu einem Ungleichgewicht führen können und dementsprechend liebevoll begleitet werden sollten.

Für Kinder sind Veränderungen oder auch instabile Situationen im privaten Umfeld etwas ganz Besonderes. Dazu zählen z. B. ein Umzug, eine Schwangerschaft oder die Geburt des Geschwisterchens, neue räumliche Veränderungen zu Hause, vielleicht auch eine Trennung der Eltern, das Abstillen, veränderte Schlafrhythmen, eine neue Arbeitsstelle eines Elternteils, das Zahnen oder andere motorische und kognitive Entwicklungsschritte beim Kind selbst und werden viel stärker empfunden als wir Erwachsene uns das vorstellen können. Hinzu kommt, dass die Kinder auch nicht immer sofort verstehen, was jetzt gerade die Veränderung ist oder was sie bedeutet und wie sie sich auswirkt. Sie brauchen Zeit.

Vor dem ersten Tag Eurer Eingewöhnung, ist es gut, wenn Ihr Eurem Kind in Abhängigkeit vom Alter, diesen Schritt schon einige Tage vorher immer wieder einmal ankündigt und auf die Fragen Eures Kindes eingeht.

Müttern, die beispielsweise eine Eingewöhnung in der Krippe begleiten, ihr Kind noch stillen und es eines Tages Schluss endlich zur ersten Trennung kommt, empfehle ich, in dieser Phase nicht parallel das Abstillen zu planen oder durchzuführen. Besser wäre es, das Abstillen vor der Eingewöhnung gemacht zu haben oder nach dem das Kind bereits etwas stabiler in der Krippe angekommen ist. Das Abstillen ist nämlich auch eine Art des Abschiedes und zwei Abschiede gleichzeitig braucht es nicht.

Ihr könntet auch überlegen, Euch die Begleitung der Eingewöhnung zu teilen. Die ersten Trennungen wären unterstützend, vom emotional stabileren Elternteil begleitet zu werden. Kündigt den Abschied ein paar Minuten vorher an, verabschiedet Euch, auch wenn Euer Kind weint, die Pädagoginnen und Pädagogen sind für Euer Kind da und kümmern sich. Ein Umdrehen Eurerseits könnte eher für Verunsicherung sorgen.

Ihr als Eltern, gebt Euren größten Schatz in die liebevollen Hände von Menschen, die sich mit Geduld und Empathie Eurem Kind zuwenden. Gebt Eurem Kind die Zeit, Vertrauen entstehen zu lassen und eine Beziehung aufzubauen. Diese Zeit gebt Ihr am besten, wenn Ihr Euch im Hintergrund einen druckfreien Rahmen schafft. Klärt beispielsweise mit Eurem Arbeitgeber bereits im Vorfeld ab, dass Ihr Rückenwind für die Eingewöhnungszeit benötigt.

Zum Schluss möchte ich Euch Eltern noch sagen, wie mutig Ihr seid, diesen Schritt zu gehen und einen so großen Vertrauensvorschuss für das pädagogische Personal aufzubringen. Ich wünsche Euch allen eine schöne Eingewöhnung und einen guten Start in einen neuen Lebensabschnitt.

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