Familien im Tiergarten: Kato und seine Gorillafamilie

von | 20. Dezember 2019 | Freizeit!!!

Mama, Papa, Kind. Familien kennen nicht nur wir Menschen. Auch Gorillas leben in einem Familienverbund. Die Familie ist allerdings zumeist um einiges umfangreicher als bei uns Großstadtmenschen. Da gibt es die Mütter, die Kinder, die Tanten, hin und wieder auch Onkels und den Vater.

Lange hat man im Tiergarten Nürnberg auf Nachwuchs bei den Gorillas gewartet. Kato ist der erste kleine Gorilla seit vierzig Jahren. Er ist im November 2019 geboren. Seine Mutter Habibu hatte den Zoobesuchern jedoch einiges voraus und hat Erfahrungen mit Gorillababies. Sie ist in einer Gruppe mit Gorillamüttern aufgewachsen und hat erlebt wie andere Gorillas mit ihrem Nachwuchs umgehen. Und Habibu hat gut aufgepasst. Geduldig stillt sie ihren Erstgeborenen, trägt ihn schützend in ihren Armen und wärmt ihn auf ihrem Bauch.

 

Auch die beiden anderen Gorillafrauen, Lena und Louna, haben den Familienzuwachs in die Gruppe aufgenommen. Thomas, der Gorillamann ist als Silberrücken der Chef der Gruppe. Seine Aufgabe ist es, die Gruppe zu schützen. Um die Betreuung von Kato kümmert er sich nicht. Für Thomas wird Kato wohl erst interessant, wenn er größer ist und durch das Gehege klettern kann.

Bei den Westlichen Gorillas, wie sie im Tiergarten Nürnberg zu finden sind, umfasst die Gruppe in der Regel vier bis acht Tiere. Die größte bisher bekannt gewordene Gorillagruppe hatte kurzzeitig aber sogar 65 Tiere. Das ist dann ein richtiger Familienclan. Neben dem Chef leben dann weitere Männchen, Söhne oder jüngere Brüder des Chefs, in der Gruppe. Sie dürfen sich jedoch nicht fortpflanzen. Wenn der Clanchef stirbt, löst sich die Gruppe auf oder eines der jungen Männchen übernimmt die Gruppe.

Anders als bei anderen Menschenaffen verlassen bei den Gorillas nicht nur die Männchen, sondern auch immer wieder Weibchen ihre erste Gruppe, wenn sie erwachsen werden. Die Weibchen suchen sich eine andere Gruppe oder ein umherziehendes Männchen. So sind die Weibchen einer Gruppe nicht nur in den Zoos, sondern auch in der Natur nicht unbedingt miteinander verwandt und es kommt „frisches Blut“ in die Gruppe. Es kann aber auch vorkommen, dass die Weibchen einer gut funktionierenden Gruppe kein Interesse an Neuzugängen haben und die Neue wieder vertreiben.

Aktiv werden die Weibchen auch, wenn ein Silberrücken nicht für die Sicherheit seiner Gruppe sorgen kann. In der Natur wurde bei Berggorillas beobachtet, dass alle Weibchen einen Haremchef verlassen haben, als eines der Weibchen zuvor von einem Wilderer getötet wurde. Er hat seinen Job nicht gut gemacht.
Toleriert der Clanchef einen männlichen Junggorilla nicht neben sich, muss dieser die Gruppe verlassen. Oft schließen sich junge Männchen zu einer Junggesellengruppe zusammen oder versuchen Weibchen um sich zu scharen oder suchen sich eine Gruppe, in der sie den Chef entmachten. Gelingt ihnen das, geht es für die kleinen Jungtiere zumeist nicht gut aus. Das Männchen tötet den noch kleinen Nachwuchs seines „Vorgängers“. In der Natur soll jedes achte Jungtier dem Infantizid zum Opfer fallen. Verliert ein stillendes Weibchen seinen Nachwuchs, wird es schnell wieder schwanger und der neue Clanchef bringt seine Gene in den Umlauf.

Im Tiergarten soll Kato nicht das einzige Jungtier bleiben. Auch Louna, die in diesem Jahr bereits schwanger war, aber ihren Nachwuchs verloren hat, sollte noch mal Mutter werden. Dann heißt es wieder: Mütter, Kinder, Tanten und Vater Gorilla.

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Bildnachweis: Ramona Such, Dag Encke