Es hat etwas mit Wertschätzung zu tun, wenn ich als Eltern nicht dauernd auf mein Smartphone schaue!

von | 30. September 2019 | Familie und Beruf - Alles gut vereinbar?!, Freizeit!!!, Miteinander leben, streiten, wachsen

Kommunikation ist das zentrale Thema der Arbeit von Stefanie Frieser – ob als Wirtschaftsmediatorin, Coach und Trainerin oder als Präsidentin des Deutschen Kniggebundes. Ob in der Arbeit mit Führungskräften, mit Menschen auf der Suche nach neuen Wegen oder auch bei Seminaren zum Thema Businessetikette.
Für den Familienblog schildert sie ihre Gedanken und Beobachtungen zur Frage:

Wie leben Eltern den Umgang mit Smartphone vor?
Moderne Medien haben in allen sozialen Bereichen Einzug gehalten und bringen viele Vorteile. Aber wo Licht ist, ist leider auch Schatten. Grundsätzlich hat Smartphonenutzung in der Familie ihre positiven Seiten, wie z.B. Whatsapp-Gruppen, in denen Mitglieder aus allen Generationen schnell und auf kurzem Weg miteinander kommunizieren können. Eine Verbindung traditioneller und moderner Kommunikation ist notwendig. Und hier müssen alle Beteiligten zusammenhelfen. Das fängt in der Familie an.
Hier sind Eltern gefordert, weil sie Vorbilder sind und sich selbst disziplinieren müssen. Darüber hinaus können sie Kindern spielerisch die Rückkehr in die analoge, reale Welt schmackhaft machen. Wie könnte das aussehen? Da gäbe es zum Beispiel ein Navigationsspiel. Die Eltern erkunden im Auto mit den Kindern einen bestimmten Weg und die Kinder bekommen die Aufgabe, anhand von Gebäuden und markanten Punkten den gleichen Weg noch einmal zu finden. Das funktioniert ähnlich wie die gute alte Schnitzeljagd und Kinder lernen, sich ohne Navi zu orientieren.

Was ist mit dem „Traditional Rendezvous“? Man verabredet sich und bis zum pünktlichen Treffen wird daran auch nicht mehr wieder und wieder verändert: Ausmachen, pünktlich sein, Treffen! Das hätte auch den Vorteil, dass man sich selbst nicht mehr allein auf seine Hilfsmittel verlässt.

Natürlich erfahren wir viel Positives durch moderne Medien! Ich bin zum Beispiel ein absoluter Fan des Videotelefonats. Meine Internatsfreundin kenne ich seit 44 Jahren, mit ihr nutze ich FaceTime sehr intensiv. Ich finde es schön, sie zu sehen und in ihrer Mimik erkennen zu können und zu erleben, was wirklich in ihr vorgeht.

Aber es gibt auch eine bedenkliche Entwicklung: Wenn ich bereits Kleinkinder vor ein mobiles Endgerät setze, um sie ruhig zu stellen, ist es schwer, sie davon wieder zu entwöhnen.
Das Ergebnis davon sehe ich fast jeden Morgen, wenn ich durch die Wöhrder Wiese mit dem Fahrrad ins Büro fahre –Menschen mit Kopfhörern gehen völlig abgeschnitten von ihrer Außenwelt durch die wunderschönen Wöhrder Wiesen; das ließ mir keine andere Wahl als mir eine gute, alte Fahrradhupe zuzulegen. Nun arbeite ich in drei Schritten: Ich klingle erst, dann rufe ich und dann muß ich mit der Hupe arbeiten. Das wirkt! Dabei wäre es so schön, am Morgen mit offenen Sinnen durch die Wöhrder Wiese zu laufen und die Sinne für die Töne der Natur wieder zu erwecken!

Eltern sollten nicht mit Verboten arbeiten, sondern damit, ihren Kindern attraktive Angebote zu machen: Mehr miteinander nach draußen gehen, zum Beispiel. Die viele Zeit, die Kinder heute vor dem Computer verbringen, wurde früher eher im Freien verbracht.
Ich bin, in Bezug auf Kinder, tatsächlich ein Fan davon, „Offline-Angebote“ zu fördern, ein gewisses „Zurück zur Natur“, bei dem auch Spiele im Freien wieder eine Chance haben.
Rasche technologische Entwicklungen bieten uns Menschen neue Möglichkeiten, überfordern uns aber auch.

Manchmal frage ich mich, ob nicht alle Generationen sich hier professionell weiterbilden müssten. Oft ist gar nicht klar, was Kinder im Internet für Erfahrungen machen, auch durch Bashing in Social Media. In frühem Alter wird unsere Persönlichkeit geformt. Wenn sie da im sozialen Umfeld Störungen erleben, dann kann das sehr negative Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes haben.
Jugendliche bearbeiten heute vielfach ihre Fotos im Netz und sind nicht mehr in der Lage, die Realität zu akzeptieren: Hier wird ein Gesichtsausdruck korrigiert und da ein Pickel weggemacht und inzwischen wächst eine Generation heran, die nicht mehr bereit ist, zu sich selber zu stehen. Mimik zu entwickeln und die Empathie, die Mimik anderer lesen zu können, sind aber enorm wichtig. Instagram, Snapshot und Co verführen ihre Nutzer dazu, einen Filter und „Glättung 2“ über ihr Bild zu legen. Die Folge ist, dass es in der sozialen Kommunikation schwieriger wird, Realität und virtuelles Bild in Einklang zu bringen.

Aber, hier helfen Verbote nicht weiter. Der Umgang mit moderner Kommunikation muss trainiert werden. Eltern sollten sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein: Immer wenn ich mit jemandem direkt kommuniziere, hat es etwas mit Wertschätzung zu tun, deshalb schau ich dabei auch nicht ständig aufs Handy.

Es geht auch anders: Ein kurzer Hinweis: „Du, ich müsste jetzt mal telefonieren“ und dann ziehe ich mich kurz zurück, anstatt während einer gemeinsamen Aktivität, oder gar bei der Mahlzeit mit der Familie, das Smartphone zu bedienen.

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Bildnachweis: Rawpixel, Stefanie Frieser