Erfahrungen sammeln, voneinander lernen und Neues erleben

von | 20. August 2021 | Freizeit!!!, Miteinander leben, streiten, wachsen

Spielen, erleben, staunen – das kann man seit mehr als 25 Saisons auf dem Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne. Erfahrungen sammeln dürfen hier alle gemeinsam: gelernt wird miteinander und voneinander.

Jedes Jahr von Mai bis Mitte September öffnet der Aktionsparcours auf der Wöhrder Wiese seine Pforten für Jung und Alt. Von Anfang an (und das war immerhin schon im Jahr 1989) verstand man im Erfahrungsfeld die Sinne als „Tore zur Welt“.

 

Spielerisch erleben Gäste hier elementare Gesetzmäßigkeiten der Natur und des menschlichen Organismus. Klingt langweilig? Ist es nicht! Seine Nase anstrengen, Neues ertasten, die Füße auf dem Barfußpfad zwicken lassen oder Klänge nicht nur sehen, sondern auch hören und fühlen können: der Spaß steht im Mittelpunkt, vermittelt werden dabei aber immer auch die Schönheit der Natur und der Reichtum des menschlichen Miteinanders.

Viele der Stationen sind dabei auch für Menschen mit Handicap geeignet, denn das Erfahrungsfeld ist für jede*n da. Noch sind leider nicht alle Stationen barrierefrei, aber es wird nachgerüstet, damit auch wirklich alle tolle Erfahrungen machen können.

 

Zum Thema Inklusion springt einem bei einem Besuch des Erfahrungsfelds gleich die neue Rolli-Schaukel ins Auge, die am sogenannten „Anderen Ufer“ steht. Mit Hilfe eines Crowdfunding-Projekts des Rolli-Treffs Franken e.V. und der Zukunftsstiftung der Sparkasse Nürnberg wurde die Schaukel und ihre Betreuung für zwei Jahre finanziert.

Lisa, 10, die gerade einen der zur Verfügung gestellten Rollstühle ausprobiert, sagt: „Gar nicht so leicht, bis zur Schaukel zu fahren.“ Sie bugsiert über den holprigen Untergrund. Aber mit etwas Hilfestellung ist es dann doch schnell geschafft und Lisa hat auf der Schaukel „eingeparkt.“

„Und, wie fühlt sich das Schaukeln mit Rolli an?“, fragt Alexandra Mahr, Mitarbeiterin auf dem Erfahrungsfeld.
„Angenehm!“ Lisa sitzt ganz entspannt da und schwingt leicht hin und her. „Die meisten sagen: es ist ganz anders als normales Schaukeln“, erzählt Frau Mahr. Auch für Lisa ist es eine neue Erfahrung. Die nächsten Gäste stehen schon bereit, um den Rollstuhl und das „ganz andere Schaukeln“ auszuprobieren.

In den nächsten Jahren soll ein Rollstuhlparcours die Schaukel ergänzen – damit der Erfahrungsgewinn noch größer ist. Denn natürlich stellen sich zuerst einmal die Fragen: Wie komme ich mit dem Rollstuhl über den holprigen Boden zur Schaukel? Wie schaffe ich es auf die Schaukel? Wie steil ist die Rampe, wie viel Muskelkraft brauche ich, um sie hochzufahren?
Fragen also, mit denen ein*e Rollstuhlfahrer*in tagtäglich konfrontiert ist. Das ungezwungene Ausprobieren baut Vorurteile ab und erweitert den Blick auf eine inklusive Stadtentwicklung.

 

Auch beim zweiten großen inklusiven Thema auf dem Erfahrungsfeld geht es darum, mal den Blickwinkel zu ändern und sich auf neue Erfahrungen einzulassen: Die Erfahrungen im Dunkeln sollen 2022 wieder öffnen. Im Hirsvogelbunker begleiten und betreuen sehbehinderte und blinde Mitarbeiter*innen die Besucher*innen in völliger Dunkelheit, bieten Sicherheit und Orientierung. „Hier brauchen die Sehenden meine Hilfe, ein Perspektivwechsel, der allen Beteiligten gut tut“, sagt Frank Nohr, der schon seit dem Jahr 2000 zum festen „Dunkelteam“ gehört.

Der Dunkelgang lädt zu einer besonderen Entdeckungsreise für Hände, Füße, Ohren und Nase ein. Man erfährt, wie schwierig der Weg zum Einkaufen, oder durch die Wohnung sein kann. Im Dunkelcafé darf man dann Getränke bestellen und mal schauen, wie es ist, die Milch in die Tasse zu kippen, wenn man rein gar nichts sieht. Und wie macht man das mit der Bezahlung?

 

In der Dunkelheit entwickeln sich oft tolle Gespräche. „Man hält ein Pläuschchen, auch das gehört neben der Vermittlung von Infos über die Welt der Blinden und wie wir uns fühlen, dazu“, sagt Mitarbeiter Nohr. Wie benutzt ihr euer Smartphone? Wie findet ihr eine Ampel? Und wie unterscheidet ihr denn jetzt den 10- vom 20-Euro-Geldschein?

Man sieht: Es geht beim Erfahrungsfeld darum, sich auf Neues einzulassen. Ob im Hellen oder im Dunkeln, ob behindert oder nicht behindert – wir alle können tagtäglich etwas Neues lernen und ganz erstaunliche Erfahrungen machen.

Das Erfahrungsfeld hat noch bis zum 12. September geöffnet: Das Erfahrungsfeld: Erleben mit allen Sinnen – KUF Kultur (nuernberg.de)

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Bildnachweis: Stadt Nürnberg, CTS Umwelttechnik Allersberg, Christine Dierenbach/Stadt Nürnberg