Ein Netz an Freundinnen ist eine große Entlastung

von | 12. August 2019 | Familie und Beruf - Alles gut vereinbar?!, Mutmachgeschichten für Alleinerziehende, Sagen Sie mal…

Ohne Zögern habe ich mich in das „Abenteuer Alleinerziehend“ gestürzt. Schließlich hatte ich genügend Vorbilder: ältere Schwestern, Freundinnen, Kolleginnen – die haben es alle auch geschafft! Ich übernahm ein 4 Monate altes Pflegekind.

Einige meiner Freundinnen waren bereit, mich zu unterstützen, damit ich weiterhin meiner freiberuflichen Tätigkeit nachkommen konnte, die sich nachmittags, abends und an Wochenenden abspielte. Solange Elias so klein war, konnte ich ihn häufig auch mitnehmen.

Eine große Unterstützung war über all die Jahre unsere Hausgemeinschaft

Bei Bedarf war jemand da, um kurz auf Elias aufzupassen. Abends konnte ich in den Chor oder zu einer Veranstaltung gehen, weil jemand im Haus war und nach Elias geschaut hat.

Schwierig war es auf Dauer, mit allen in meinem großen Bekanntenkreis den Kontakt aufrecht zu erhalten. Einige wollten mich auch mal wieder alleine treffen, ohne Kind. Das war schwierig, da ich ja schon für meinen Arbeitskontext unablässig Kinderbetreuung organisieren musste. Ich spürte den unausgesprochenen Vorwurf, dass ich wohl nicht in der Lage wäre, für mein Kind eine Betreuung zu organisieren. Der Kontakt zu diesen Freundinnen brach ab. Einige Freundinnen hatten aber auch kein Problem damit, mich am Abend daheim zu besuchen, wenn Elias schon im Bett war. Oder machten gerne mit uns beiden am Wochenende Ausflüge oder Wanderungen – Elias wurde abwechselnd von allen getragen.

Der größte Konflikt bezüglich der Kinderbetreuung entstand, als Elias in die Schule kam

Er war vormittags in der Schule und danach im Hort. Meine Arbeitstermine waren nachmittags und abends. Elias brauchte mich aber genau zu dieser Zeit. Es musste eine Lösung her: Ich suchte eine feste Anstellung, halbtags, bevorzugt vormittags. Und fand glücklicherweise bald einen Bürojob mit nur wenigen Terminen am Nachmittag, Abend oder am Wochenende. Es war eine große Erleichterung, ein festes Gehalt und geregelte Arbeitszeiten zu haben. Externe Kinderbetreuung war seltener notwendig. Und Elias gewöhnte sich schon bald daran, abends alleine in der Wohnung zu sein, da er wusste, dass bei Bedarf jederzeit jemand aus dem Haus für ihn da war.

Unsere Freizeit habe ich versucht, so viel wie möglich mit anderen Kindern zu verbringen, um unser alltägliches „Zweier-System“ aufzubrechen. Ich nahm zunehmend wahr, dass es uns beiden nicht gut tat. Es fehlte für uns beide der Ausgleich im Alltag! Die gemeinsamen Wochenenden oder Urlaube mit anderen Familien oder nur mit deren Kindern waren immer eine Bereicherung.

Am deutlichsten spürbar wurde der Mangel eines weiteren Erwachsenen in der Familie in der Pubertät

Ich war immer gefragt, es gab nie die Möglichkeit zu sagen „regle das mal bitte mit …“! Schon nach kurzer Zeit war mir klar, dass ich diese Herausforderung, ein Pflegekind durch die Pubertät zu begleiten, nicht lange durchhalten würde. Ich beantragte beim Jugendamt eine Erziehungsbeistandschaft, die mich sehr entlastete und Elias einen Fürsprecher an die Hand gab. Und nach 3 Jahren konnte ich eine Mütterkur wahrnehmen. Elias war damals 14 Jahre alt und hat es mit Unterstützung durch die Hausgemeinschaft, einer Freundin, den Erziehungsbeistand und meine abendlichen Telefonate gut geschafft, 3 Wochen lang alleine den Haushalt zu bewältigen. Und ich konnte in den 3 Wochen viel Kraft
tanken!

Jetzt ist Elias 18 Jahre alt und steht kurz vor dem Abi. Ich finde es toll, dass so viele Menschen daran mitgewirkt haben, ihn auf einen guten Weg zu bringen.

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