Ein konkurrenzlos gutes Wochenende

von | 27. Februar 2019 | Miteinander leben, streiten, wachsen

Wir hatten eben den zweiten Geburtstag unserer Tochter Tilda gefeiert, als uns ein ganz besonderes Wochenende bevorstand. Meine Freundin, die bis Tildas Geburt in Berlin gearbeitet hatte, musste dringend mal wieder ihre lieben Bekannten besuchen. Und zwar diesmal alleine. Qualitätszeit mit den Freunden. En bloc.

Warum ich »Ja« sagte, ohne auch nur einen Wimpernschlag lang nachdenken zu müssen, braucht ein wenig Vorgeschichte.

In vielen Punkten kann man unser Familienkonstrukt als ungewöhnlich bezeichnen. Wir leben als kleine Familie mit zwei langjährigen Freunden zusammen, mit denen wir neben Wohnung auch Hobby, Kunst, Weltsicht und vieles mehr teilen. Mein Beruf musste ein wenig zurückstecken, weil ich gerne alle verfügbaren Möglichkeiten nutze, die mir Elternzeit und Ähnliches bieten. Aber es gibt auch Aspekte, in denen Abläufe, Automatismen und Geschlechterrollen so stereotypisch zuschlagen, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte.
Es gibt bestimmte Ernstfälle, zum Beispiel: Kopfsprung vom Kinderstuhl auf den Boden gemacht, Honig in den Haaren ziepft überraschend beim Kämmen, Lieblingsfreund versteht high-five ins Gesicht nicht als solches und »high-fived« zurück. In diesen gibt es nur einen Elternteil, der helfen kann: die Mutter. Auch ist meine Rückkehr aus der Arbeit zwar ein freudiges Ereignis, im nächsten Moment soll aber trotzdem die Mutter das Buch vorlesen, obwohl sie das bereits seit Stunden tut.

Diese Momente hatte ich so nicht erwartet. Ich hatte immer großes Verständnis dafür, dass ich in der Stillzeit einfach keine überlebenswichtigen Alleinstellungsmerkmale aufweisen konnte. Zumindest habe ich mir dieses Verständnis antrainiert, denn diese Zeit kann für einen Vater schon schmerzhaft sein. Umso mehr hatte ich mich auf die Zeit danach gefreut, in der beide Elternteile theoretisch gleich viel anzubieten haben. Dass Tilda in oben beschriebenen Ernstfällen aber doch wie fast alle anderen zu ticken scheint, hat mich überrascht. Zumindest bis ich sie mit ein wenig Abstand durchschaut habe: ich stehe in der Liste nicht unten, sondern ganz ganz oben, mit nur einer Haaresbreite Abstand zur Nummer Eins.

Zu der Nummer Eins, die mich fragte, ob es für mich okay ist, wenn sie vier Tage in Berlin verbringt.

Die vier Tage verliefen dann so, wie wir es gehofft hatten. Klar gab es auch Ernstfälle: in der Therme geht unvermittelt das Blubbern los, eine Kerze ist heiß, wenn man sie direkt von oben ausbläst. In diesen kann nur die unangefochtene, nie in Frage gestellte, in allen Lebenslagen Trost spendende Nummer Eins (die gerade da ist) helfen: ich!
Und dass wir in diesen Tagen nur ganz wenig Zeit damit verbringen, aufzuarbeiten, warum die Mama gerade nicht da ist, ist eines der größten Komplimente, die man sich als teilzeitverunsicherter Vater nur wünschen kann.

Eine ordentliche Portion Zeit zu zweit mit dem Kind – auch wenn sie sich im Voraus vielleicht beeindruckend lange und einschüchternd anhört – kann ich Euch Vätern nur ans Herz legen. Sie wird sich sicherlich lohnen.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bildnachweis: Wolfgang-Riedl, Wolfgang Riedl