Diverse Kinderbücher für Kinder von heute

von | 15. März 2021 | Eltern werden, Eltern sein, Freizeit!!!, Miteinander leben, streiten, wachsen

Wenn ihr auf der Suche nach Kinderbüchern seid, in denen Regenbogenfamilien zu sehen sind, Jungs in pinken Gummistiefeln durch Pfützen springen, Mädchen die Heldinnen*rolle innehaben und auch Feuerwehrfrauen*, Krankenpfleger und ein Papa in der Hauptrolle zu finden sind, dann lasst euch diese drei Seiten ans Herz legen:

– Zuckersüß Verlag (https://www.zuckersuessverlag.de/)
– Tebalu (https://tebalou.shop/)
– Buuch (https://buuu.ch/)

Das war die Kurzversion, aber es gibt natürlich eine Geschichte, wie wir zu diesen Empfehlungen gekommen sind und auch Buchempfehlungen finden sich noch weiter unten.

Als Tilda noch klein war und wir all diese wunderbaren, modernen und vielfältigen Bücher noch nicht kannten, haben wir einfach die Geschichten in den alten Büchern neu erzählt. Schau, eine Feuerwehrfrau*, ein Kindergärtner, die Mama Eule wurde auch mal zu Papa Eule und so weiter. Das hat eine Weile ganz gut funktioniert, doch irgendwann war Tilda schlau genug und hat uns auf die einseitige Berichterstattung hingewiesen: da sind doch nur Feuerwehrmänner, Bauarbeiter und Mamas, die zu Hause den Kochlöffel schwingen. »Lies doch richtig!«
Ein Hoch auf alle Bücher von Janosch, da spielen Geschlechterklischees keine Rolle, da muss nichts gegendert werden und Kinder können sich nach Panama träumen.

Bei einer Elternbeiratssitzung kam das Thema auf, dass es kaum Bücher gibt, in denen sich BIPOC-Kinder wiederfinden, auch keine Kinder von alleinerziehenden Eltern. Aber genau das ist wichtig für die Kinder. Denn Kinder identifizieren sich gerne mit den handelnden Figuren aus Büchern. Deshalb ist die Darstellung von vielfältigen Charakteren so wichtig, davon kann jede*r nur profitieren. Vor allem im Kindergarten, in dem so viele verschiedene Lebenswelten aufeinandertreffen, sollen Erzieher*innen Bücher vorlesen, in denen Kinder mit unterschiedlicher Hautfarbe, kulturellen Backgrounds, Kinder mit Behinderung, Kinder von alleinerziehenden Müttern* oder Vätern, getrennte, hetero, homo- und transsexuelle Elternpaare vorkommen. Genau das ist wichtig, denn sonst finden sie sich und ihre Lebensrealität nicht wieder. Das wirft für sie Fragen auf: »darf ich kein/e Held*in sein?« »warum schaut hier kein Kind so aus wie ich?« und »ist es etwa nicht normal, dass ich zwei Mamas habe?«
Oder Kinder schließen andere dadurch aus: »schau, die Prinzessinnen haben aber immer blonde Haare«, »leider darfst du die nicht spielen, du kannst keine Feuerwehrfrau sein«.

Auch wenn sich unsere Kinder, als weiße Kinder in einem Haushalt, in dem Mama und Papa zusammenleben, in den meisten Bücher wiederfinden, sollen sie auch das Leben anderer Kinder kennenlernen. Auch für sie ist das eine Chance und wichtig für die Wertschätzung aller Kinder.

Auch ist es für uns eben sehr wichtig, dass unsere Tochter nicht nur rosa Prinzessinnen, die auf den Kuss ihres Retters im Schlaf warten, in Büchern erlebt. Sie soll mit Heldinnen* aufwachsen, die sich selbst und anderen helfen, sich dreckig machen und wilde Abenteuer erleben. Oder eben in eine Welt abtauchen, in der ein Junge davon träumt, eine Meerjungfrau zu werden.

Das ist auch gleich schon unsere erste Buchempfehlung:

 

Julian ist eine Meerjungfrau, von Jessica Love, ISBN 978-3-95728-364-1

Auch ein totaler Knüller:

Teddy Tilly, von Jessica Walton, ISBN: 978-3-7373-5430-1
Hier geht es um einen Teddybärenjungen, der viel lieber eine Teddybärin wäre. Super. das Mädchen, das erst noch einen Roboter fertigbauen muss, bevor es zum Spielen kommen kann.

Etwas fürs Herz, auch in nichtstereotypen Familien:

Max findet einen Freund, von Anna Lisicki-Hehn, ursprünglich über Startnext realisiert, nun über https://anna-artwork.de/ zu beziehen.
Max wohnt mit seinen zwei Vätern zusammen, aber das wird mit keinem Wort thematisiert. Auch dass er eine andere Hautfarbe als seine Spielgefährtin und deren Mutter hat, ist einfach so. Ach, wäre die Welt doch nur so selbstverständlich wie in dieser Geschichte über Freundschaft, Frust und Familie.

 

Ein wunderherzliches Buch mit sehr diversen Kindern:

Geh weg, Du Problem!, von Rachel Rooney, ISBN 978-3-7373-5705-0
Eine wunderbare Abhandlung über Probleme. Probleme sind Monster, ganz klar. Manche resolut, manche leicht zu überwinden. Zusammen kann man viel schaffen, vor allem, wenn zum Äußersten gegriffen wird: über sie reden! Das hassen sie!

Zuletzt noch eine Empfehlung für ganz kleine Kinder:

Zehn kleine Finger und zehn kleine Zeh’n, von Mem Fox, ISBN 978-3848900893
Tilda mochte es in ihrem Lebensjahr schon sehr. In dem Buch geht es eigentlich nur darum, dass alle Kinder zehn Finger und zehn Zehen haben. Sie sehen unterschiedlich aus, sind aber eigentlich doch alle gleich. Zuckersüß!

 

Zum Abschluss noch ein für uns ganz wichtiger Satz, der sehr vieles zusammenfasst, was wir über Kinderbücher gelernt haben:

»Kinderbücher sollten Spiegel der Welt und Fenster zur Welt zugleich sein. Ein Spiegel, mit dem Kinder lernen können, ihr Leben zu reflektieren und ein Fenster, welches ihnen die Chance gibt, das Leben eines anderen Kindes kennenzulernen.«

Zitat Dayan Kodua

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Bildnachweis: Wolfgang Riedl