Alles Rosa oder Blau?

von | 12. Dezember 2018 | Eltern werden, Eltern sein, Miteinander leben, streiten, wachsen

Diese Frage stellen sich wohl alle werdenden Eltern am Anfang, oder nicht? Ob nun Spielzeug oder Kleidung, die Farbe der Wahl scheint offensichtlich: Rosa für Mädchen, Blau für Jungs. Schließlich soll ja auch jede/r erkennen können, welches Geschlecht „mein Baby“ nun hat. Und wie kann man das am einfachsten bewerkstelligen? Klar, über die Kleidung! Aber wann sind wir eigentlich so streng mit der Farbzuweisung geworden?

Am besten der Reihe nach: Um 1900 sah die Welt noch komplett anders aus. Damals galt Rot oder Rosa – als Farbe der Macht und des Kampfes – eher als Jungenfarbe. Blau hingegen – als Farbe der Jungfrau Maria – war meist den Mädchen zugeordnet. Also genau umgekehrt im Vergleich zu heute. Erst nach dem Ersten Weltkrieg wurde Blau durch die Uniform der Matrosen und Arbeiter wieder zur Männerfarbe erkoren, und als Kontrast dazu Rosa zur neuen Mädchenfarbe.

Heute trennen die Spielwaren- und Modehäuser ihre Produkte strikt nach Geschlecht und das so konsequent wie nie. Beginnend bei der Kleidung wird hier von Kleinkindalter an deutlich zwischen den Geschlechtern unterschieden. Während Mädchen niedliche rosa Kleidchen mit Tüll und Volants, Oberteile mit Herzen, Blumen und ganz viel Glitzer tragen, wird bei Jungs um die Farbe Rosa eher ein großer Bogen gemacht. Für die müssen es schon coole Shirts mit Monstern, Dinosauriern und frechen Sprüchen drauf sein. Dass dabei die Farbwahl auf Blau, Grün, Braun oder möglichst dunkle Farben fällt, scheint nur zu selbstverständlich.

Auch beim Spielzeug wird heutzutage mit Hilfe von Farben die Marschroute vorgegeben. Für Mädchen gibt es nicht nur Ärztekoffer, Spielzeugküchen oder den Kinder-Globus speziell in Rosa, sogar das Ü-Ei gibt es mittlerweile mit Blümchen versehen in strahlendem Pink. Sicher hat all das mit einer gewissen Erwartungshaltung gegenüber unseren Kindern zu tun. Jungs sollen mutig, stark und abenteuerlustig sein. Mädchen dagegen niedlich, brav und lieb.

Puh … Gar nicht so leicht als Eltern gegen die strenge vorgegebene Rollenverteilung der Industrie anzukommen – und sollte man das überhaupt? Schließlich möchte natürlich keiner sein Kind von vornherein in der Schule oder im Kindergarten ins Abseits befördern. Da einen Mittelweg zu finden ist sicherlich eine Bärenaufgabe. Denn der Platz der bunten, eher geschlechtsneutralen Pippi Langstrumpf, die sowohl Mädchen als auch Jungs gefiel, wird heute nun mal von Prinzessin Lillifee und Abenteurer Capt’n Sharky besetzt. Als Kind der 90er kann ich nur wenig damit anfangen. In meiner Kindheit war alles noch kunterbunt, wie eben bei Pippi. Auch als Mädchen haben wir mit Autos gespielt, Spiderman und Donald Duck geliebt und so wie Jungs oft und gerne praktische Klamotten getragen. Klar hatten wir auch Barbies und Polly Pocket in petto, aber so ein Extrem wie Prinzessin Lillifee und ihr Rosa-Imperium … Das gab’s damals noch nicht.

Wieso also nicht einfach mal wieder Abwechslung rein bringen? Das Baby- oder Kinderzimmer neutral in Grau, Beige oder Gelb gestalten, für Mädchen auch mal Saurier-Pullis kaufen oder den Jungs ein rosa Shirt mitbringen. Letztlich ist es unsere Entscheidung wie stark wir uns von der Werbung und Industrie beeinflussen lassen und inwieweit wir an der strikten Geschlechterteilung teilhaben wollen.

Bis man sich da entschieden hat, sind die Kinder wahrscheinlich sowieso schon groß genug und bestimmen selbst, was sie tragen und mit wem oder was sie spielen. Wir als Eltern haben dann sowieso nicht mehr viel zu melden. Ist wahrscheinlich auch besser so.

 

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