7. Dezember

von | 7. Dezember 2020 | Freizeit!!!, Sagen Sie mal…

„Willst an, der di net ärgern koh, kafst da halt an Zwetschgermoh!“

In der 4.Generation verkauft die Familie von Susanne Schrödel schon die traditionellen Zwetschgermännle auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt: „Wir sind uns nicht sicher, in welchem Jahr das angefangen hat, es war um 1900 herum.“
Es gab die knorrigen kleinen Kerle aus Dörrpflaumen, Nüssen und Holz schon vorher, aber, so Susanne Schrödel: „Es heißt in unsrer Familie, dass die Uroma als erste auch „Weibli“, also Zwetschgerfrauen, gemacht und angezogen hat.“

 

Solche kleinen Erzählungen wurden in der Familie weitergereicht wie die kleinen, vergilbten Fotos aus alten Christkindlesmarktzeiten kurz vor und nach dem zweiten Weltkrieg.
„Nach und nach sind die Zwetschgermännle vielfältiger geworden. Berufe sind dazu gekommen, zum Beispiel das Schlotfeger-männle. Oder die Brautpaare.“
Auch in ihrer Kindheit bestimmte die Herstellung der Zwetschgermännle schon den Jahreslauf in der Familie. Die Kinder mussten mithelfen: „Da hat`s von der Mutter geheißen, Du machst erst soundsoviel Stück, dann darfst Du raus auf die Straß`zum Spielen.“
Und Susanne Schrödel seufzt: „Niemals wollt ich des selber machen – einen Stand am Christkindlesmarkt!“

 

 

 

 

 

 

Doch es kam anders: Susannes Ehemann Klaus redete ihr zu, die Tradition der Familie nicht abreißen zu lassen. Ein Argument von ihm war, dass sie dadurch auch daheim arbeiten könne und die Betreuung der Kinder gesichert war. 2002 ging es für sie los und mittlerweile hat jeder von ihnen einen Stand in der weihnachtlichen Budenstadt, Susanne Schrödels Schwester betreibt zwei weitere.
„Willst an, der di net ärgern koh, kafst da halt an Zwetschgermoh!“ – das ist der gemalte Spruch, der über einer der Buden hängt.

 

Klaus, der „Moh“ von Susanne, geht unter dem Jahr seinem Beruf als Elektriker nach: „Viel Urlaub und geleistete Überstunden gehen für den Christkindlesmarkt drauf!“, berichtet sie.
Aber sie weiß auch von netter Stammkundschaft zu berichten, die jedes Jahr an ihrem Stand vorbei schaut und von schönen Gesprächen, die mit den Kunden entstehen.

Kaum ist der Markt vorbei, beginnt im Januar die Produktion für den nächsten: „Im Januar fang ich an, die Nüsse zu bemalen, das dauert rund 2 Monate. Dann geht`s an die Bekleidung und an die Zwetschgen, die gibt`s ab September im Großhandel…ab September sind auch die Töchter fleißig mit dabei.“
Klaus Schrödel holt das Holz aus dem Wald, aus dem die Brettchen geschnitten werden, in die er die nötigen Löcher bohrt.

 

 

 

Am meisten macht es Susanne Schrödel Freude, mit ihren „Stöffle“ zu hantieren und die Figuren einzukleiden. Dazu entstehen in der Familie auch immer wieder neue Ideen – zum Beispiel die zu einem Bergmann, der eine echt beleuchtbare winzige Lampe trägt. Das war Klaus Schrödels Idee.
Susanne Schrödel ist geborene Nürnbergerin, sie lebt mit ihrer Familie in Wendelstein. Dort ist die ganze Garage voller Zwetschgermännle, man hat extra angebaut für das Traditionsgewerbe.

 

Dieses Jahr gibt es keinen Christkindlesmarkt – bleibt dann viel mehr Zeit?
„Zeit, die ich gut nutzen kann!“, lacht Susanne Schrödel, „die Tochter baut um und ich hab jetzt Zeit, auf das Enkelkind aufzupassen!“

Außerdem werden Zwetschgermännle und –weible trotzdem verkauft: Schrödels senden sie zu, über ihren Online-shop oder nach einem Anruf bei der Familie:

Tel. 09129 3594
http://zwetschgamo.bplaced.net/

 

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Bildnachweis: Susanne Schrödel, Florian Trykowski, Christine Dierenbach