1000 gute Gründe um zu spielen

von | 9. November 2020 | Freizeit!!!, Miteinander leben, streiten, wachsen

Welche Spiele sind gemeint?
Dabei sprechen wir nicht von Videospielen via Handy oder Konsolen- bzw. von PC-Games. Es geht um sog. „Gesellschaftsspiele“. Hier trifft man sich am „runden“ Tisch und macht gemeinsam Erfahrungen von Angesicht zu Angesicht. Ja, früher… da war das doch manchmal so, mit „Mensch ärgere Dich nicht“ oder „Mühle“…? Noch nie gab es so viele gelungene und gute Spieleveröffentlichungen wie in den letzten Jahren. Kartenspiele, Würfelspiele, Bauspiele, jegliche Arten von Brettspielen. Dabei geht es z.B. um Geschicklichkeit, Taktik, natürlich auch um Glücks- und Pechanteile im Regelwerk und es geht um das natürliche Zusammensein von Menschen, von Kindern und Eltern oder von Kindern und Jugendlichen untereinander. Wenn sich mal kein Spielpartner findet, eignen sich manche Spiele auch zum alleine Spielen (z.B. Bau- und Konstruktionsspiele). Sich ins Spiel vertiefen, dabei die Zeit vergessen…

 

Warum überhaupt spielen?
Gute Spiele fördern und fordern unter anderem Basis- und Kernkompetenzen, interaktive und soziale Erfahrungen. Spielen bildet das Leben und die Gesellschaft ab: „Wir spielen Gesellschaft“ als soziales Experiment. Mit einem guten Sortiment verschiedenster Gesellschaftsspiele lernen wir praktisch „spielerisch“ und so ganz nebenbei: Konzentration, Ausdauer, Geduld, Verlieren können, Warten können, Logik anwenden, genaues Sehen, genaues Zuhören, Kombinieren, Aufmerksamkeit fokussieren, Zahlenverständnis, in die Zukunft planen, Pläne umsetzen, Sprache schulen, üben und wiederholen und vieles mehr.

 

Wie ist das mit den Emotionen?
Auch für Gefühle bleibt viel Raum: man kann die entstehende Spannung genießen, sich freuen, wenn man gewonnen hat, aber sich auch mal kurz ärgern beim Verlieren; dem Gegner z.B. den Gewinnweg zu verbauen, wenn man selbst keine Chancen mehr hat, hat noch jedem Spaß gemacht – „geregelte“ Schadenfreude ist dabei eine zutiefst menschliche Reaktion. Kleine gegnerische Störaktionen fordern auch immer wieder dazu auf, darauf cool und entspannt zu reagieren – das sind schöne Übungen fürs Selbstbewusstsein! Gerade beim gemeinsamen Spielen in der Familie, mit Freunden wird ein großes Repertoire an sozialen und intellektuellen Verhaltensweisen erprobt und gefördert sowie ein starkes Stück Gemeinschaft erlebt.
Die Glücksforschung beschreibt genau diese Erfahrungen. Wir, Kinder und Erwachsene, brauchen diese gemeinsamen Erlebnisse für unser Wohlbefinden und für unser seelisches Gleichgewicht.

 

Was meinen Spielforscher dazu?
Spielpädagogen wissen: Spielen ist der perfekte Ausgleichssport für die Seele, weil es das Gehirn trainiert und uns fit fürs Leben macht. Gute Spieler, das zeigen Umfragen, sind in der Regel selbstbewusster. Sie werden kreative Denker, erfolgreiche Macher, bessere Chefs oder verständnisvollere Eltern: wer beim „Mensch ärgere Dich nicht“ seine Wut kennen und zügeln gelernt hat, sieht manchen Mängeln seiner Kinder am Ende gelassener entgegen. Wer sich schnell mit trickreichen Ideen zum Sieg taktiert hat, dem fällt auch in heiklen Schul- oder Berufssituationen mal fix was Gutes ein…

 

Tipps für den Alltag:

  • Organisieren wir doch mal einen Familien-Spiele-Abend bei uns zuhause!
  • Dabei lassen wir TV/PC/Handy & Tablet einfach mal aus! Und nehmen uns so mehr und richtig Zeit für uns und unsere Kinder.
  • Mal bewusst in ein Spielwaren-Fachgeschäft gehen und die diversen bunten Spiele-Schachteln betrachten, deren Inhalte und Kriterien bewusst „studieren“ (Alter, Teilnehmerzahl, Art des Spiels, Materialien…);
  • Ergänzend kann man online bei dem entsprechenden Verlag die Spielregel des jeweiligen Spiels anschauen.
  • Sehr hilfreich dazu sind die passenden YouTube-Erklärungs-Videos: denn hier werden die einzelnen Spielzüge demonstriert und erläutert! Mit diesem Wissen kann man nun in Ruhe und ohne Kaufdruck prüfen, ob ein Spiel für die Gruppe geeignet sein könnte, ob sogar ein besonderer, uns anziehender Spielreiz vorliegen würde.

 

Spielen in der Schule:
Geht das? Im Rahmen des Programms „Die familienfreundliche Schule – Erziehungs- und Bildungspartnerschaft in Nürnberg“, finden an den Mitgliedsschulen Spieleaktionen statt, sowohl für den Klassenverband, die Jahrgangsstufe, als auch für die ganze Schule. Lehrkräfte und Eltern schätzen das Miteinanderspielen in der Schule. So wirken sich nicht nur im Spiel erworbene Kompetenzen positiv auf schulische Belangen aus, Spielen macht Spaß und eröffnet ein neues Miteinander. Hier bin ich als Spielpädagoge tätig.

 

Spieletipps und Beratungsservice:
Sie möchten wieder mehr Spiel in Ihren Familienalltag bringen? In unregelmäßigen Abständen werde ich hier im Familienblog unter „Jürgens aktueller Spieletipp“ Spiele vorstellen und zu Fragen rund um das Thema Spielen, kostenfrei und unabhängig beraten.
Auf bald Ihr Jürgen Zeh!

3 Kommentare

  1. Wertvolle Spiele-Anregungen auf breiter Basis – die das Miteinander voranbringen, unterstützen und erlebbar machen. Gut für alle großen und kleinen Spieler, beim “Spielen” Erfahrungen zu sammeln im Erleben und Erlernen, dass man auch mal verlieren kann – möglichst mit Haltung und Achtung.

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  2. So viele wertvolle Gedanken und so viele gute Ideen und Tipps….toll,dass sich jemand so sehr dafür engagiert!
    Vielen Dank!!

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    • Danke für Dein Feedback!

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