Warum dein Kind nicht an jedem Stein stolperfrei vorbeigehen muss – Familienbildungstag am 21. März 2026
Wie Kinder an Herausforderungen wachsen – und wir Eltern manchmal lernen müssen, einen Schritt zurückzugehen
Du stehst daneben, siehst es kommen – und willst eingreifen. Dein Kind kämpft mit dem Reißverschluss der Jacke, das Matheblatt liegt zerknittert auf dem Tisch, der Streit auf dem Spielplatz spitzt sich zu. Kurz: Es wird unbequem. Für dein Kind. Und für dich.
Doch genau hier passiert etwas Wichtiges.
Kleine Hürden, große Wirkung
Kinder wachsen nicht daran, dass immer alles glattläuft. Sie wachsen daran, dass sie Dinge selbst ausprobieren, scheitern, neu ansetzen – und irgendwann merken: Hey, das habe ich allein geschafft.
Das Problem ist nur: In unserem gut gemeinten Eltern-Alltag räumen wir oft jedes Hindernis aus dem Weg und oft schon bevor es überhaupt richtig da ist.
Der Klassiker: Morgens, dein Kind versucht selbst die Schuhe zu binden. Es dauert. Sehr lange. Es klappt nicht so richtig. Frust macht sich breit. Zeitdruck kommt dazu. Du siehst die Uhr, seufzt innerlich – und zack, bindest du sie schnell selbst. Praktisch? Ja. Lernchance? Leider vertan.
Frust ist kein Feind
Viele Eltern wollen ihre Kinder vor Frust schützen. Verständlich. Niemand mag Tränen, Wutausbrüche oder dieses ans Herz gehende „Ich kann das nicht!“.
Aber Frust ist kein Feind – Frust ist ein Trainingspartner.
Wenn dein Kind erlebt, dass es mit Ärger, Enttäuschung oder Unsicherheit umgehen kann, wächst seine innere Stärke. Psychologen nennen das Selbstwirksamkeit: das Gefühl, Einfluss auf das eigene Leben zu haben. Oder einfacher gesagt: Ich kann was.
Kinder, denen immer alles abgenommen wird, lernen ungewollt etwas anderes: Andere lösen meine Probleme.
Aus dem Alltag…
Dein Kind vergisst regelmäßig die Sporttasche. Du siehst vor Deinem geistigen Auge Dein Kind frustriert am Rand sitzen. Du könntest die Sporttasche hinterhertragen. Oder du lässt es erleben, wie es ist, ohne Sportsachen dazustehen und frustriert am Rand zu sitzen. Nicht aus Strenge – sondern als Konsequenz.
Und beim nächsten Mal? Die Sporttasche steht erstaunlich oft gepackt schon abends an der Tür.
Oder der Streit mit der besten Freundin: Dein Impuls sagt, du solltest sofort schlichten, erklären, vermitteln. Manchmal reicht es aber, einfach zuzuhören. Kinder dürfen lernen, Konflikte selbst auszutragen – und auch auszuhalten, dass nicht immer sofort alles gut ist.
Herausforderungen ja – Überforderung nein
Natürlich geht es nicht darum, Kinder ins kalte Wasser zu werfen und zu sagen: „Sieh zu, wie du klarkommst.“
Der Unterschied liegt im Begleiten statt Retten.
Du bist da. Du hörst zu. Du ermutigst.
Aber du übernimmst nicht automatisch das Steuer.
Ein gutes Bild ist das Fahrradfahren: Du hältst am Anfang fest, läufst mit, gibst Sicherheit. Aber irgendwann lässt du los. Dein Herz schlägt schneller als das deines Kindes – doch genau dieser Moment macht es stark.
Dein Mut zählt
In einer Welt voller Elternratgeber, Förderprogramme und Optimierungsdruck vergessen wir leicht: Kinder müssen nicht perfekt vorbereitet sein auf das Leben. Sie müssen es erleben.
Ein Kind, das nie scheitert, lernt nicht, wieder aufzustehen.
Ein Kind, das nie wartet, lernt keine Geduld.
Ein Kind, dem alles abgenommen wird, lernt keine Verantwortung.
Und ja – das bedeutet auch schmutzige Hosen, krumme Bastelarbeiten, vergessene Hausaufgaben und Tränen. Aber es bedeutet vor allem: Entwicklung.
Manchmal braucht es mehr Mut, nichts zu tun, als einzugreifen. Mehr Gelassenheit, das Chaos auszuhalten. Mehr Vertrauen in dein Kind – und in dich selbst.
Denn ihr seid keine schlechten Eltern, wenn Euer Kind kämpft. Ihr seid gut, wenn Ihr Eurem Kind zutraut, daran zu wachsen.
Und vielleicht ist genau das die größte Herausforderung: Deinem Kind
nicht jede Hürde aus dem Weg zu räumen – sondern darauf zu vertrauen und es zu unterstützen selbst darüber zu klettern.
Familienbildungstag

Unter dem Motto „Kinder wachsen an Herausforderungen – warum wir nicht alle Hürden aus dem Weg räumen sollten“ laden wir alle Eltern herzlich zu unserem diesjährigen großen Familienbildungstag im Haus Eckstein im Herzen der Altstadt ein. Es erwartet Euch ein informatives und vielseitiges Programm. Inke Hummel, Besteller Autorin, Pädagogin und dreifache Mutter wird mit einem lebendigen Vortrag wertvolle Informationen und Impulse für den Familienalltag geben. Ein Büchertisch bietet viel Interessantes zum Thema, für Groß und Klein und unsere Familienbildungsstellen, die alle vor Ort sein werden, laden in ihre abwechslungsreichen Workshops zum Mitmachen, Austauschen und Vertiefen ein. Die Teilnahme ist wie immer mit Kinderbetreuungsprogramm und kostenfrei. Holt Euch gerne weitere Infos über unsere Homepage. Dort findet Ihr auch die Anmeldung. (kleiner Tipp: meldet Euch zeitnah an denn unsere Plätze sind beschränkt 😊)


Wir freuen uns auf Euch,
Eure Familienbildung Nürnberg
Hier geht´s zur Anmeldung:
Nürnberger Familienbildungstag – Familienbildung in Nürnberg
Mehr zu Inke Hummel und ihren Büchern findet ihr hier:
Bildnachweis: Copyright: humboldt Verlag, Copyright: Inke Hummel

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