Aha, Helau und Alaaf
Wenn man auf den Straßen kleine Dinosaurier, Miniaturfeuerwehrmänner oder Prinzessinnen trifft, wenn beim Bäcker wieder Krapfen in allen Farben stehen, schön verziert mit Luftschlangen und Jugendliche oder Erwachsene mit glitzerbemaltem Gesicht oder Zauberhüten durch den Abend huschen, dann weiß selbst der größte Faschingsmuffel: Es ist wieder Karneval. Oder Fastnacht. Oder eben Fasching.

Die Begriffe gehen eigentlich alle auf das Gleiche zurück: nochmal richtig schlemmen und Spaß haben, bevor am Aschermittwoch das 40-tägige Fasten und In-sich-Gehen naht. Übrigens ist der Fasching an sich keine Idee der Kirche, sondern eines der Feste, die diese adaptiert hat. Und das ursprünglich, irgendwann im 13. Jahrhundert, eigentlich darauf beschränkt werden sollte, am Tag vor Beginn der Fastenzeit ein Fest zu feiern, bei dem man all das aufisst, was man von da ab erst mal nicht mehr essen darf.

Das Ganze ist dann wohl etwas aus dem Ruder geraten. Aber es gibt sowieso Beweise dafür, dass man sich schon vor Tausenden von Jahren in dieser sogenannten 5. Jahreszeit verkleidet hat. Mit dem Zweck, böse Geister zu vertreiben, Krankheiten fernzuhalten und dem Winter endlich den Garaus zu machen. Ob man damals auch schon am 11.11. um 11:11 Uhr damit begonnen hat, das weiß man heute nicht mehr. Es ist aber durchaus nicht abwegig, denn die 11 gilt als Narrenzahl. Zehn steht für Ordnung, zwölf für Vollständigkeit und die Elf liegt fröhlich dazwischen, stört ein bisschen und wackelt mit den Regeln. Unter der Narrenkappe sind alle gleich, ob Bürgermeister oder Bäcker. Das sahen auch die alten Römer schon so und ehrten den Gott Saturn mit den Saturnalien: ausgelassenen Festen mit Spottgedichten und einem gesellschaftlichen Rollentausch, bei dem die Hierarchien auf den Kopf gestellt wurden und die Herren mal den Sklaven dienten.


Prinzenpaar, Gefolge und Garden haben ihre Wurzeln deutlich später, im Bürgertum des frühen 19. Jahrhunderts. Man wollte das Treiben zu Hofe auf die Schippe nehmen, indem man die hohen Tiere mithilfe von Reimen vorführte – eigentlich ähnlich der Kultsendung „Fastnacht in Franken“, wo sich auch heute noch Politiker und andere lokale Persönlichkeiten ein wenig zum Narren machen und in fränkischer Mundart so einiges über sich ergehen lassen müssen.

Im Gegensatz dazu steht die klassische Fastnacht, die eher im bäuerlichen Lebenskreis wurzelt und bei der man sich hinter der Maske ganz wunderbar verstecken kann. Was durchaus schon mal dazu führte, dass auch nach Aschermittwoch die Welt des einen oder anderen etwas aus den Fugen geriet. Allerdings sollte man auch heute das närrische Spektakel nicht zu weit treiben. Piratenaugenklappen beim Autofahren, Uniformen, die zu nah an der Realität sind oder Waffen, die wie echt wirken, sind nicht erlaubt.

Aber auch, wenn man sich das zu Herzen nimmt und ein bisschen mit überlegt, ob ein Kostüm angemessen ist, bleibt genug Freiraum, um verkleidet den Alltag ein paar Tage lang hinter sich zu lassen. Denn am Ende ist Fasching genau das: Eine Zeit, in der man jemand anderes sein darf, laut oder leise, komplett im Kostüm oder nur mit falschem Bart, und trotzdem alle gleich sind. Der Winter wird für ein paar Tage vergessen, Alltag und Regeln treten ein wenig in den Hintergrund und wenn man nach all dem Trubel auch Tage später noch ein bisschen Konfetti da und ein bisschen Glitzer dort findet, dann erinnert man sich gern an das gute Gefühl, dass die Welt für ein paar Tage ein bisschen bunter war. Und jetzt – endlich ¬¬– der Frühling vor der Tür steht.
Mag ja sein, dass wir hier in Nürnberg heute eher die ruhigere Version des Faschings leben als in Köln oder Mainz. Aber das war nicht immer so, denn tatsächlich gilt die Noris als die Wiege des Faschingszuges. Bereits im 14. Jahrhundert gab es hier den ersten Karnevalszug und der Brauch etablierte sich. Glaubt man dem Humanisten Lorenz Behaim, dann glich Nürnberg bei den 1449 erstmals urkundlich belegten „Schembartläufen“ sogar eher einem Tollhaus als einer Reichsstadt. Ein Tollhaus ist es heute nicht mehr, aber eine Stadt mit vielen Möglichkeiten, den Fasching ausgiebig zu feiern, ist Nürnberg immer noch:
15. Februar 2026:
Faschingszug am Faschingssonntag/ab 13 Uhr von der Bayreuther Straße über den Rathenauplatz bis in die Innenstadt
16. Februar 2026:
Rosenmontagskinderfaschingszug/der Gaudiwurm setzt sich um 13 Uhr am Jakobsplatz in Bewegung
46. Nürnberger Rosenmontagskinderfaschingszug – Kinder und Jugendliche in Nürnberg
Die vielen Faschingsbälle für Erwachsene und Kinderfaschingstermine wie den Kindermaskenball auf AEG oder der Kinderfasching im Löwensaal finden Sie auf der Seite der Stadt Nürnberg unter:
https://www.nuernberg.de/internet/stadtportal/fasching.html
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